Es geht um die Enteignung von böhmischen Adeligen nach 1945 und um Grundstücke im Wert von 1,3 Milliarden Euro. In Tschechien wurde eine Sondereinheit zur Überprüfung des Falls eingerichtet - die mit eigenwilligen Methoden arbeitete.

In einem spektakulären Rechtsstreit mit böhmischen Adligen um Nachkriegsenteignungen hat die tschechische Polizei heimlich Archive in Deutschland und Österreich durchsuchen und die Telefone von Rechtsanwälten anzapfen lassen. Das berichtete die Prager Zeitung Lidove noviny.

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Hintergrund seien zum Beispiel millionenschwere Klagen von Frantisek Graf Kinsky gegen Verstaatlichungen auf Grund der Benes-Dekrete gewesen. Die deswegen in Prag gegründete Polizei-Spezialeinheit "Majetek" ("Eigentum") habe etwa ab dem Jahr 2004 in verdeckter Zusammenarbeit mit dem zivilen Geheimdienst (UZSI) Beweise gegen die Kläger gesucht.

Unter anderem sollten UZSI-Agenten Dokumente aus dem Bundesarchiv in Berlin gegen die Adelsfamilie Colloredo Mansfeld beschaffen, hieß es. Die Behörden besorgten sich zudem "wegen Betrugsverdachts" eine richterliche Erlaubnis zum Abhören von Telefonen der betroffenen Anwälte.

Legales Vorgehen - oder skandalöser Vorgang?

Mit dem umstrittenen Lauschangriff und der Suche in Archiven wollte die Polizei dem tschechischen Staat in den teilweise noch laufenden Verfahren Beweise gegen Adlige in die Hand geben. Innenminister Jiri Pospisil sprach von einem legalen Vorgehen.

Hingegen nannte es Kinskys Anwalt Jaroslav Capek "skandalös", dass sich die Politik so massiv in das Verfahren eingeschaltet habe. Der 70 Jahre alte Kinsky, der in Wien und Argentinien lebt, will in Tschechien mit Hilfe von 157 Klagen Immobilien und Grundstücke im Gesamtwert von 1,3 Milliarden Euro zurückbekommen.

"Ich stelle nicht die Benes-Dekrete in Frage. Ich glaube nur, dass sie zu Unrecht auf mich angewendet wurden", sagt er. Die Erlasse des Staatspräsidenten Edvard Benes hatten die kollektive Entrechtung der Sudeten- und Karpatendeutschen sowie der Ungarn und deren entschädigungslose Enteignung und Vertreibung aus der Tschechoslowakei bewirkt.

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(dpa)