Treffen zwischen Michelle Martin und Vater eines Opfers Fall Dutroux wird zur Handy-Affäre

Unglücklicher Zufall oder geplante Aktion? Einem Vermittler fällt ein Smartphone auf den Boden, das wählt - angeblich "zufällig" - die Nummer eines Journalisten. Der hört so ein vertrauliches Gespräch zwischen Dutroux-Komplizin Michelle Martin und dem Vater eines der Opfer mit.

Von Martin Winter, Brüssel

In der seit ihrem Beginn an Justiz- und Polizeipannen reichen Affäre Dutroux ist jetzt sogar der Versuch gescheitert, ein Gespräch zwischen Täterin und Opfer vertraulich zu halten. Schuld daran seien die Tücken eines Smartphones behaupten jene, die am Freitagabend als "Vermittler" dabei saßen, als Jean-Denis Lejeune, Vater eines der Opfer des Vergewaltigers, Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux dessen Ex-Ehefrau und Mittäterin Michelle Martin an einem unbekannten Ort traf.

Einem der Vermittler sei das Smartphone auf den Boden gefallen und aus welchem unglücklichen Zufall auch immer habe das Gerät dann unbemerkt die letzte Nummer der in seiner Anrufliste gespeicherten Gespräche gewählt. Und die gehörte ausgerechnet einem Journalisten der eher auf der Krawallseite der Medien angesiedelten SudPresse in Belgien.

So konnte der Journalist eine Stunde des über dreistündigen Gesprächs mithören und aufnehmen. Seit seine Zeitung dann am Samstag über Inhalte des Gesprächs berichtete, stehen Belgien neue Gerichtsverfahren in der Affäre Dutroux bevor. Die Anwälte von Lejeune und Martin gehen nun gemeinsam gegen den Journalisten und die Veröffentlichung des Mitschnittes vor. Sie haben nicht nur Beschwerde beim belgischen Journalistenverband eingelegt, sondern auch eine Klage bei Gericht eingereicht: Auch in Belgien ist das Abhören eines Gespräches ohne die Einwilligung der Beteiligten strafbar. Dieser Journalist habe die "rote Linie überschritten", sagte Georges-Henri Beauthier, der Anwalt von Lejeune.

Nach dem Treffen mit Martin äußerte sich Lejeune nicht über dessen Inhalt. Er hatte auf dieses Gespräch gedrungen, um endlich Klarheit über die Entführung und Tötung seiner Tochter Julie zu bekommen und um dieses traurige Kapitel seines Lebens abschließen zu können. Schon Ende Oktober hatte er gesagt, dass das Treffen mit Martin die letzte seiner Anstrengungen ist, die "Wahrheit herauszufinden". Danach sei die Sache für ihn "abgeschlossen".

Ob das Gespräch das gebracht hat, was er sich erhoffte, ist unklar. Die Vermittler berichteten von einem "ruhigen" aber auch "emotionalen" Treffen. Ob es weitere Treffen geben wird, ist noch offen. Martin war im Sommer nach der Verbüßung von 16 ihrer 30 Jahre Haft unter strengen Auflagen frei gelassen worden und lebt jetzt in einem Kloster.