Immer mehr Menschen wollen Privatdetektiv werden, Langeweile und Image-Probleme schrecken sie nicht.
Beschatten kann teuer sein; nicht nur für die Auftraggeber, sondern auch für Detektive und solche, die es werden wollen. Detektivschüler Jörg W. hat zahlen müssen, Lehrgeld gewissermaßen: "Ich verfolgte meine Zielperson, sie war viel zu schnell, ich hielt das Tempo - und fuhr in eine Radarfalle."
Schrecken langes Warten und Langeweile nicht: Privatdetektive (© Foto: iStockphotos)
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Jörg W. (alle Namen geändert) machte eine Ausbildung beim Berufsverband Bayerischer Detektive, und da gab es auch Hausaufgaben. Beschatten zum Beispiel. Man kann es auch anders machen als Jörg W. - und trotzdem falsch.
Silke M. fuhr hinter einem Mann her, der mit 70 Sachen durch ein Dorf raste. Sie brach die Verfolgung ab. Ausbilder Manfred Heiß nestelt an seinem weißen Schnauzbart, verzieht das Gesicht. Er ist unzufrieden. Dann sagt er: "Wenn man jemanden verfolgt, sollte man so lange wie möglich dran bleiben." Deutlicher wird er nicht. Es gibt ja eine Straßenverkehrsordnung.
Zwei Frauen und vier Männer, 22 bis 45 Jahre alt, sitzen an diesem Freitagabend in einem Bürogebäude in Augsburg und bereiten sich auf ihre Abschlussprüfung vor. Es gibt allerdings viele Detektive, die keine Ausbildung gemacht haben. Privatdetektiv ist bislang kein geschützter Beruf, jeder kann das machen; man braucht nur eine einfache Gewerbeanmeldung.
Spitzeln für Lidl
Der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) hat deshalb gerade einen "kontrollierten Berufszugang" gefordert. Verbindliche Qualitätsstandards für Detektive könnten Bespitzelungsaffären wie beim Discounter Lidl eindämmen, sagte ein Verbandssprecher am Freitag. Um diese Standards zu gewährleisten, seien Prüfungen bei den Industrie- und Handelskammern (IHK) denkbar. Berufsanwärter müssten zum Beispiel rechtliche Kenntnisse besitzen, um zu wissen, wie weit sie bei ihren Nachforschungen gehen dürften. Das Image der Branche hatte zuletzt doch arg gelitten. Im März war bekannt geworden, dass bei Lidl Mitarbeiter von Detektiven ausspioniert worden waren.
Nach BDD-Angaben nimmt das Interesse am Detektiv-Job zu. In den vergangenen vier Jahren sei die Zahl der Detekteien um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Es gibt nun etwa 3000 Detektive in Deutschland, nur die Hälfte hat sich überhaupt ausbilden lassen, und vor allem für die spricht Manfred Heiß, wenn er sagt: "Die Aufklärungsquote bei seriösen Detektiven liegt bei 85 Prozent."
Heiß arbeitet für das Ausbildungsinstitut von Werner Mayerl. Dieses Institut bietet in Kooperation mit dem Bayerischen Detektivverband eine einjährige Ausbildung an, bei der man sich zwei Stunden pro Woche trifft, oder Blockseminare, bei denen man an vier Wochenenden zusammenkommt. Das Blockseminar, an dem Jörg W. und Silke M. teilnehmen, kostet stolze 1750 Euro.
Silke M., 29, wollte nach dem Abitur zum Bundeskriminalamt. Sie sagt, sie interessiere sich "für das Kriminalistische", und sie habe "schon immer Rätsel lösen wollen". Silke M. hat Edgar Allen Poe gelesen und Arthur Conan Doyle. Das BKA nahm sie nicht: zu klein, hieß es. Sie studierte Mathematik, aber nun will Silke M. doch lieber mit Menschen arbeiten und Wirtschaftsdelikte verfolgen. Andere beobachten, wie sie den Ehepartner betrügen - das sei nicht so ihr Ding.
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