Die Bürger von Bad Reichenhall ringen noch immer mit der Fassung. In einem bewegenden Gottesdienst haben sie am Samstag Abschied von den Opfern des Eishallen-Unglücks genommen.

"In den Stunden der Trauer ringen wir um Fassung", sagt Pfarrer Helmut Bauer vor der versammelten Gemeinde. "15 Menschen, die gerade noch über das Eis gelaufen sind, wurden vom Tod so plötzlich aus dem Leben gerissen", wendet sich der Geistliche an die Trauernden in der Kirche St. Zeno beim ökumenischen Gottesdienst in Bad Reichenhall. Am Samstagvormittag haben sie sich versammelt, um der 15 Menschen zu gedenken, die am Montag nach dem Einsturz des Daches der Eislaufhalle getötet wurden.

Reichenhall, dpa

Bad Reichenhall steht noch immer unter Schock (© Foto: dpa)

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In den ersten Reihen finden Angehörige und Helfer Platz, dahinter die Reichenhaller Bevölkerung. Es sind so viele Menschen gekommen, dass der Wortgottesdienst auf den angrenzenden Friedhof per Lautsprecher übertragen wird und die Menschen in der Kirche bis in die hintersten Reihen dicht gedrängt stehen. Alle wollen ihre Solidarität mit den Angehörigen und ihre eigene Trauer ausdrücken.

Köhler und Stoiber kommen

Der Pfarrer sagt: "Mein Gott, warum hast du das zugelassen, es ging doch nur um sechs Minuten." Die Menschen senken die Köpfe, halten sich an den Händen und wischen sich die Tränen aus den Augen. Viele der Feuerwehrleute sind von den dramatischen Ereignissen der vergangenen Tage gezeichnet. Blass und mit Tränen in den Augen nehmen sie in Uniform an dem Gottesdienst teil. An der Seite der Kirche zünden die Menschen Kerzen an, stecken sie in den Schnee und beten.

Als Höhepunkt der Trauerfeier liest Bauer die Namen der einzelnen Opfer vor. Für jeden Einzelnen wird eine große weiße Kerze entzündet. Auch der drei Menschen, die am Montag bei einem Lawinenabgang ums Leben kamen, wird gedacht. Im Gebet spricht der Geistliche ergreifende Sätze: "Ich versuche, das Geschehene in Worte zu fassen, obwohl es nicht in Worte zu fassen ist." Fünf Tage nach der verheerenden Katastrophe sind die Menschen in Bad Reichenhall immer noch geschockt und fassungslos.

Auch Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) ist mit Ehefrau Karin angereist, um sein Mitgefühl auszudrücken. Bundespräsident Horst Köhler konnte nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen, da sein Flugzeug am Salzburger Flughafen wegen Nebels nicht landen konnte und er den Umweg über München machen musste. Am Nachmittag trifft das Staatsoberhaupt dann aber doch noch in der oberbayerischen Kurstadt ein. Gemeinsam mit seiner Frau Eva Luise und Stoiber geht Köhler zu Fuß zur Unglücksstelle.

"Ich habe meinen besten Freund verloren"

Dort, am ehemaligen Eingang, wo in verblassten Buchstaben "Eislauf- und Schwimmhalle" steht, haben die Menschen eine Trauerstelle errichtet. An dem kleinen Altar aus Schnee brennen zahlreiche Kerzen - die Politiker verweilen in Schweigen. 15 Kreuze hängen hier, weiße und braune, Dutzende Kerzen und viele Blumen liegen im Schnee. Auch Briefe haben die Menschen abgelegt, in denen sie ihren Kummer ausdrücken. Der Bad Reichenhaller Eishockeyverein EAC hat Mails aus seiner Homepage am Zaun befestigt, in denen Beileidsgrüße aus ganz Deutschland und Österreich zu lesen sind.

So schreibt Michael als Bad Reichenhall: "Ich habe meinen besten Freund verloren." Ein Hockeyfan aus Freising schildert, er habe noch vor einem Jahr in der Halle gespielt und sei geschockt, dass das Dach nun eingestürzt ist. Die elfjährige Michaela hat ein Gedicht für die Opfer geschrieben und rote Rosen an der Unglücksstelle abgelegt. Auch der Berliner Schlittschuh Club hat sich in das Online-Gästebuch eingetragen: "Im Namen der ganzen Mannschaft mein Mitgefühl an alle Angehörigen", schreibt der Clubchef.

Eine Passantin, die auf dem Weg zur Kirche ist, sagt: "Als Anwohner ist man einfach selbst auch betroffen." Sie fügt hinzu: "Man wird Teil des Unglücks." Am Ort des Geschehens herrscht nach der Hektik der ersten Tage gespenstische Ruhe. Die Bagger stehen still, die Aufräumarbeiten wurden bis Montag gestoppt. Rund um die ehemalige Eislaufhalle ist ein langer Zaun aufgestellt. Immer wieder versammeln sich dort Menschen, um zu diskutieren. "Warum dieses Unglück, warum dieses Leid?", fragt auch Pfarrer Bauer mit Blick nach oben. Eine Antwort kann auch er nicht geben.

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(ddp-bay)