Von Achim Zons

Die Leiche des Bergsteigers Günther Messner wurde entdeckt, doch wie und wo der Bruder des Extrembergsteigers Reinhold Messner am Nanga Parbat starb, ist weiter unklar.

Eine ruppige Böe treibt Eiseskälte auf den Schreibtisch, und das bei strahlendem Wetter. Neue erregende Nachrichten aus dem Himalaya künden von nahendem Streit, von endlosen Debatten um die Wahrheit eines spektakulären Todes, der sich vor mehr als 35 Jahren ereignet hat.

Günther Messner auf einer undatierten Aufnahme (links) und sein Bruder Reinhold Messner. (© Fotos: dpa)

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Die Beteiligten: einer der monströsesten Berge, der 8126 Meter hohe Nanga Parbat. Der Extrembergsteiger Reinhold Messner, der den Berg im Juni 1970 bezwang und mit dessen Überschreitung seinen Ruhm begründete. Seine Bergkameraden, die vermuten, dass er sich von seinem Bruder getrennt hat, um allein die Überschreitung des Nanga Parbat zu wagen. Und schließlich Günther Messner, dessen Leiche jetzt nach Aussage von Reinhold Messner überraschend gefunden wurde.

Eiskalt

Es sieht so aus, als käme endlich die Wahrheit unter den Schneemassen und Eisplatten hervor. Und schon wird es eiskalt im Zimmer.

Doch erst einmal die Basisdaten: Laut der Nachrichtenagentur dpa hat vor einigen Wochen ein Bergführer auf der Diamir-Seite des Nanga Parbat Knochen und Kleidungsreste gefunden, die er nicht identifizieren konnte.

Der Bergsteiger wusste, dass Günther Messner vor 35 Jahren hier irgendwo verschollen war und informierte seinen Bruder Reinhold. Der reiste umgehend nach Pakistan. Dort will er jetzt die Schuhe und die Jacke seines damals 24-jährigen Bruders erkannt haben, präzisere Aussagen sind nicht möglich, da ein Kopf nicht entdeckt wurde.

Messners Sprecher Naeem Khan sagte, die Überreste von Günther Messner seien in 4600 Metern Höhe auf der Diamir-Seite aufgetaucht. Offenbar sei der Körper des toten Bergsteigers vor etwa zwei Jahren mit den schmelzenden Schneemassen heruntergetragen worden, und zwar aus einer Höhe von 7000 Metern.

Beweis?

Ist damit endlich das Rätsel um den mysteriösen Tod geklärt? Ist eine der vielen Versionen bewiesen? "Der Beweis wird die Leiche meines Bruders sein, wenn sie dort gefunden wird, wo ich es sage", hat Reinhold Messner immer wieder betont. Doch ist sie dort gefunden worden, wo Messner es immer gesagt hat?

Es bleibt nichts anderes übrig, als noch einmal auf diesen gewaltigen Berg zu klettern, am besten wie damals über die Rupal-Wand, die gefährlichste Steilwand der Erde, 4500 Meter hoch und bis 1970 unbezwingbar.

Wir sehen Reinhold Messner mit seinem durch die Strapazen geschwächten Bruder am Gipfel, sehen sie nach einer mörderischen Nacht wieder absteigen, sehen, wie beide an dem Punkt stehen, an der eine folgenschwere Entscheidung getroffen werden muss.

Versionen laufen auseinander

Jetzt laufen die Versionen auseinander: Hans Saler, Extrembergsteiger und einer der Teilnehmer der Expedition von 1970, vermutet (und er hat das auch anschaulich beschrieben in seinem Buch "Zwischen Licht und Schatten"), dass sich Reinhold und Günther Messner an dieser Stelle getrennt hätten.

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