Veranstalter, Stadt und Polizei schieben sich lauthals gegenseitig die Schuld an der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten zu. Dabei hätten alle Beteiligten Grund, sich zu entschuldigen. Und sollten dann einfach mal eines tun: schweigen.
In Deutschland hat man das Recht zu schweigen. Man muss nichts sagen, wenn einen die Polizei verdächtigt, man muss sich nicht selbst belasten, man muss der Justiz nicht dabei helfen, dass sie einen verurteilt. Vielerorts auf der Welt ist das nicht selbstverständlich, dort wissen Ermittler oder deren Gehilfen, wie man Schweigen bricht.
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Stilles Gedenken am Ort der Tragödie: Über die Medien schieben sich Veranstalter und Organisatoren der Loveparade in Duisburg dagegen lauthals gegenseitig die Schuld zu. (© ddp)
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Nichts sagen zu müssen also ist ein Geschenk; ein Privileg jener, die in Rechtsstaaten leben.
Fünf Wochen nach der tödlichen und damit letzten Loveparade wünscht man sich, dass die Verantwortlichen schweigen würden. Aber die Stadt Duisburg, der Veranstalter Rainer Schaller und die Regierung Nordrhein-Westfalens hören nicht auf, einander in der Endlosschleife die Schuld zuzuschieben.
Es klingt, als seien sie noch immer auf dem einst so schrillen Technofest, bei dem riesige Lautsprecherwagen immer im Kreis fuhren und das Publikum im Vorbeifahren mit ihren Beats beschallten. Seit dem Unglück kreisen nun Stadt, Veranstalter und Polizei um die öffentliche Meinung und hämmern ihr ein: Bin unschuldig! Hab' nichts falsch gemacht!
Erst stammelten sie es bei Pressekonferenzen, jetzt veröffentlichen sie "Dokumentarfilme" oder juristische Gutachten, die sie selbst bestellt haben. Im Ergebnis sind sie sich alle einig: Es gibt ein schreckliches Versagen zu beklagen - das der anderen.
Die Angehörigen der Toten erklären, sie seien angewidert - ein Gefühl, das sie mit den meisten Beobachtern teilen werden. Dass man sich mit einem Gutachten exkulpieren will, für das man selbst bezahlt hat, ist nichts anderes als Selbstgerechtigkeit, die unbeholfen mit etwas verwaltungsrechtlichem Fachjargon geschmückt wurde.
Wenn die Stadt Duisburg ihre Abhandlung auch noch "Abschlussbericht" nennt, klingt das, als verfüge ein Krimineller, Ermittlungen gegen sich selbst einzustellen. Es gibt Länder, wo Beamte so etwas tun, diese Länder liegen aber nicht in Westeuropa. In Deutschland funktioniert solch ein Schwindel nicht, und für die Familien der Opfer ist er eine Zumutung.
Insofern wäre es sehr wichtig, dass die Beteiligten endlich damit aufhören, womit allerdings nicht zu rechnen ist. Denn das Schauspiel der Selbstentlastung folgt beinahe zwangsläufig aus den Aufwallungen der Mediengesellschaft, die auch bei nichtigem Anlass schon um Fassung ringt.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum alle Beteiligten Grund hätten, sich zu entschuldigen.
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Das muss ein anderes Deutschland sein. Denn es gibt ein leicht nachlesbares Polizeigesetz des landes NRW, das in Art 1, Abs.1, Satz 1 klar und deutlich sagt, wer zuständig war für die Gefahrenabwehr: einzig die Polizei. nur die Polizei. Die über 16 Kameras im Beisein des Innenministers zusahen, wie sich diese gefahr aufbaute.
Da steht nichts von Ausnahmetatbeständen wie
-schlechte Planung
-zu viel Teilnehmer aufgrund des guten Wetters
- Betrunkene und Bekiffte
usw.
Es gibt keine Ausnahmen. Gefahrenabwehr war einzig gefragt auf Rampe und Tunnels UND DAVOR auf öffentlichen Straßen. Dort hätte entzerrt,, gestoppt, umgeleitet werden müsen, einzig Job der Polizei, nicht des OBs, nicht des Veranstalters. Dieser einfache fakt, auf das Polizeigesetz, also af die Rechtslage hinzuweisen, das wird nicht getan. Auch nicht von den Vielschreibern dieses Blattes.
@ ELIASS na der sauerländer klebt genau so lange noch auf seinem sessel wie mit pattex montiert bis er seine sauer verdiente fette pension einstreichen kann. Dass ihm die opfer egal sind ist so offensichtlich dass es bis berlin stinkt.
Wiederlich!
..war auf den öffentlichen Straßen und im Bahnhof (Bundespolizei) die ganze Zeit zuständig. Die öffentlichen, wenngleich für den Verkehr gesperrten STraßen sind kein Privatgelände und gehören daher nicht zum Veranstaltungsgelände.
Auf dem Weg zum Gelände hin, gibt es für Sicherheit und Ordnung nur eine Zuständigkeit und die liegt bei der Polizei.
Ansonsten ist dem guten Kommentar hier kaum etwas hinzuzufügen. Ich, als Duisburger, schäme mich für mich unsere Stadtspitze, und ich fordere den Rücktritt des OB. Verantwortung übernehmen, Herr Sauerland, heißt auch beiseite zu treten, wenn es genug ist. Es ist genug.
Ich hatte das Glück, nur mit ein paar Schrammen an der Wade und einem irren Schrecken aus dem Tunnel zu entkommen. Trotzdem fühle auch ich mich als ein Opfer dieser Veranstaltung, weil ich noch nie soviel Angst gehabt hatte. Aber ich erwarte nicht, dass ausgerechnet Sauerland aufklären soll. Er soll einfach nur aus dem öffentlichen Sichtfeld verschwinden und zwar sofort. Unter anderem auch für die Art wie er sich seit der ersten Pressekonferenz verhalten hat: Einfach unterirdisch. Ich bekomme eine Krise wenn ich nun höre: "Er sei es den Opfern schuldig, im Amt zu bleiben." Das ist nicht mehr zu ertragen. Was ist das bloss für ein Mensch, der nicht einmal davor zurück schreckt, die Todesopfer zu instrumentalisieren, um seine Versorgungsansprüche zu retten.
Selbst dann, wenn er nur eine geringe Verantwortung für diese Katastrophe tragen würde, ist er unter diesen Bedingungen nicht mehr für das Amt politisch tragbar.
Die Öffentlichkeit erwartet von ihm einen Rücktritt und nicht einen Rückzug mit goldenem Handschlag. Politische Ämter sind keine Arbeitsplätze im üblichen Sinne. Ihre Legitimation erhalten sie durch öffentliche Akzeptanz der Person in diesem Amt. Sauerland ist nun zur Untätigkeit verdammt und wartet geduldig, bis man ihn lukrativ abwählt. Ich hoffe, dass die Parteien im Landtag ihm diesen Gefallen nicht tun, um sich bei den Wählern vermeintlich beliebt zu machen. Das ist aber sehr zu befürchten.
Wir haben offenbar Politiker, die nicht mal dann vom Amt zurücktreten, wenn die Öffentlichkeit ihnen bekundet, dass sie nur noch angewidert von ihnen ist. Auf keinen Fall sollte man Sauerland abwählen, sondern abwarten wie lange er das aushält. Ich wünschte mir für die Politiker der Gegenwart ein bisschen von dem Ehrencodex der Kaiserzeit. Natürlich sollten sie sich nicht gleich erschiessen. Aber damals genügten öffentliche Zweifel an der Seriosität oder der Amtsführung, sich mit Haltung aus dem Amt zurück zu ziehen, bis die Sachlage gerichtlich geklärt ist. Das heutige Bild ist nur noch jämmerlich geprägt von Verantwortungswürstschen. Und das betrifft nicht nur Politiker sondern auch viele Angehörige unserer übrigen "Eliten".