Wie möchten Sie zur letzten Ruhe gebettet werden - in einem Fußball? Einem riesigen Korken oder einem Bierglas? Geht in England - fast - alles.
Wer an einer Beerdigung teilnimmt, erfährt meist einiges über das Leben des Verstorbenen. In Grabreden wird geschildert, was die Besonderheiten gerade dieses Menschen waren, der in dem Sarg liegt.
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In England aber sagt der Sarg manchmal selbst viel über den Toten aus - zumindest wenn es sich um eine der Spezialanfertigungen handelt, wie sie ab heute im Kasseler Museum für Sepulkralkultur zu sehen sind.
Wie David Crampton von der Sargmanufaktor Vic Fearn erklärt, nehmen viele dieser "Crazy Coffins" (verrückte Särge) Bezug auf das Leben der Menschen, für die sie entworfen worden seien.
So sei für eine Balletttänzerin ein Sarg in Form eines Tanzschuhs gebaut worden, eine Flugakrobatin habe einen Sarg in Düsenjägerform bestellt.
Die meisten Ausstellungsstücke sind private Auftragsarbeiten und tatsächlich für die "letzte Reise" bestimmt.
Die "Crazy Coffins" nehmen mal Bezug auf die berufliche Tätigkeit, mal auf die Hobbies oder besonderen Interessen ihrer Auftraggeber. Sie sind somit ein ganz ungewöhnlicher letzter Ausdruck der Persönlichkeit des Verstorbenen.
Wie im Sepulkralmuseum in Kassel zu erfahren ist, wurden die meisten der ungewöhnlichen letzten Ruhestätten tatsächlich an Kunden ausgeliefert. Andere dienen lediglich als Entwürfe.
Die Form von Särgen in Bezug zum Leben des Verstorbenen zu setzen, ist auch in Afrika mancherorts üblich. Dort sehen Särge aus wie Obst- oder Gemüsearten, Boote oder Autos.
"Wir müssen vorher klären, ob sich die Särge in ungewohntem Maß und Material mit der Friedhofsordnung vertragen", erklärte Crampton. Bereits zu Lebzeiten gäben etliche Menschen Entwürfe in Auftrag - etwa für einen Sarg in Form eines riesigen Bierglases oder für eine fußballförmige Urne mit dem Wappen des Lieblingsvereins.
In Deutschland ist es allerdings nicht möglich, sich in so verrückten Kisten beerdigen zu lassen. Das, so ist im Museum für Sepulkralmuseum zu hören, würde gegen die Bestattungsvorschriften deutscher Friedhöfe verstoßen.
Auch muss man weitere Einschränkungen berücksichtigen: z.B. spielt der FC Bayern München nicht mit, wenn ein Fan sich das Vereinsemblem auf den Sarg malen lassen will. Das haben die Münchner untersagt, so Crampton.
Bislang beschränken sich ausgefalle Särge in Deutschland deshalb vor allem auf bunte Farben oder ausgefallene Motive und Ausstattungen wie sie etwa die Bestatterin Claudia Marschner in Berlin ihren Kunden anbietet. Die eigentliche Form des Sarges wird jedoch dabei nicht verändert.
Und auch der immerhin irgendwie exotische zusammenfaltbaren Sarg aus Pappe ("Ökologischer Faltsarg Peace Box") von Herrn Papke aus Würzburg entspricht in Maßen und Aussehen der klassischen Holzkiste.
Auch in Großbritannien gehen die ausgefallene Särge übrigens nicht immer genau so unter die Erde, wie sie ausgestellt werden. Bei der überdimensionalen Gitarre etwa konnten es sich die Totengräber sparen, auch für den Hals des Instruments Erde auszuheben - der wurde bei der Beerdigung einfach umgeklappt.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de/dpa)
Frauen in Saudi-Arabien