Deutschlands führender Konzertveranstalter Marek Lieberberg warf den Duisburger Organisatoren Profitgier und Unvermögen vor. "Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen", sagte Lieberberg der Süddeutschen Zeitung. Die Veranstalter seien der Technoparty mit Hunderttausenden Teilnehmern nicht gewachsen gewesen. "Befruchtet haben sich die Geltungssucht der Lokalpolitik, die Profitsucht der Veranstalter, auf beiden Seiten gut gedüngt durch totalen Amateurismus." Lieberberg organisiert unter anderem das Musikfestival Rock am Ring.

Anzeige

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat indes betont, Behörden dürften sich von Veranstaltern niemals mit dem Argument unter Druck setzen lassen, wie bedeutend eine Veranstaltung sei und wie viele Menschen diese anziehe. "Die Sicherheit muss immer Vorrang haben", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Herrmann forderte, die Sicherheitskonzepte aller Großveranstaltungen deutschlandweit zu prüfen. Es könne immer zu einer Massenpanik der Besucher kommen, dies müsse vom Veranstalter einkalkuliert werden, sagte er. Besonders gefährdet seien Veranstaltungen, die nur ein Mal stattfänden, so der Innenminister. Beim Bau von Fußballstadien etwa werde die Sicherheit von vornherein einkalkuliert. Auf einem Gelände, auf dem einmalig eine Veranstaltung stattfinde, könne dies nicht in dieser Perfektion geschehen.

"Ich zeige den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg an"

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Duisburger Stadtführung um Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Bochums früherer Polizeipräsident Thomas Wenner (62) will den Duisburger Stadtoberen anzeigen. Der Onlineausgabe der Bild-Zeitung sagte Wenner: "Ich zeige den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, die leitenden Beamten der Stadt und die Veranstalter an." Eine solche Veranstaltung sei in Duisburg nie realisierbar gewesen.

Wenner hatte 2009 als amtierender Polizeipräsident die für Bochum geplante Loveparade abgesagt. Die tatsächliche Zahl der Teilnehmer der Megaparty in Duisburg ist nach wie vor unklar: Sie reicht von 105.000 Menschen, die mit der Bahn zum Feiern reisten, bis hin zu 1,4 Millionen Ravern, die sich in der Stadt aufgehalten haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft setzt unterdessen ihre Ermittlungen fort. Zeugenaussagen und beschlagnahmte Unterlagen sollen klären, ob das Sicherheitskonzept letztlich ausreichend war. Bereits vor der Technoparty hatte es unter anderem auch aus dem Netz konkrete Warnungen vor einer Katastrophe gegeben.

Bei der Massenpanik am frühen Samstagabend starben 11 Frauen und 8 Männer. Die Opfer waren zwischen 18 und 38 Jahre alt.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. "Geltungssucht, Profitsucht und Amateurismus"
  2. Sie lesen jetzt "Das war ein Verbrechen"
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa/apn/jobr/juwe)