Toiletten-App aus Amerika Schnelle Hilfe bei großer Not

  • Eine App erlaubt Privatpersonen, Fremden ihre Toiletten und Bäder anzubieten. Die Benutzungsgebühr legen sie selbst fest.
  • In Deutschland kommt die Idee bisher nicht an. Viel Zuspruch erfährt sie dafür in Belgien.
Von Manuel Stark

Der Druck wächst. Doch der Bahnhof mit seinen öffentlichen Toiletten ist ein paar Kilometer entfernt und der Kellner im Café um die Ecke guckt so grimmig, dass man sich ganz ohne Konsumansicht nicht hineinwagt. Keine verfügbare Toilette weit und breit.

Doch in unserer Welt der unendlichen Technologien gibt es nun auch für dieses Problem die passende App. Sie heißt Airpnp und ging Anfang März 2014 online. Privatleute bieten darin Fremden ihre Toiletten und Badezimmer an. Die Benutzungsgebühr setzen sie selbst fest. In den meisten Fällen sind es Preise zwischen 0,50 und 3,50 Euro. Die einzige hygienische Richtlinie ist die Reinlichkeit der Toilettenbesitzer.

Mittlerweile hat sich die App von New Orleans aus über fast alle Staaten Amerikas und Teile Europas verbreitet. Am beliebtesten ist sie nach ihrer Herkunftsstadt im belgischen Antwerpen. Dort bieten fast 100 Privatleute ihre Bäder und Toiletten an.

Ein Passant kann durch die kostenlose App mit nur wenigen Klicks herausfinden, wo in der Nähe ein Klo angeboten wird und wie viel dessen Benutzung kosten soll. In einem kleinen Textfeld beschreibt der Anbieter zudem die Besonderheiten der Toilette. "Sie haben hier die einmalige Gelegenheit, bei ihrem Stuhlgang das Kulturvirtel in Dortmund mal näher zu betrachten", lautet einer der Texte. Schlicht "Gemütliches Klo" ein anderer.

Von Luxusbad bis Abstellkammer

Ein weiterer Klick sendet dem Eigentümer eine Anfrage, ob seine Toilette gerade verfügbar ist. Wenn dem so ist, werden auf dem Handy Vorschaubilder des stillen Örtchens freigeschalten. Der Besucher kann die Toilette nach der Benutzung bewerten. Manch luxuriöses Marmorbad wurde schon mit einem Stern abgestraft, während unter einigen Bildern mit verdreckten Kloschüsseln, die in einer Art Abstellkammer installiert sind, vier Sterne stehen. Bild und Realität stimmen anscheinend nicht immer überein.

Die Idee kam dem 31-jährigen Erfinder der App, Travis Laurendine, nach den Faschingsumzügen in New Orleans im vergangenen Jahr. Die Stadt verbannte während der Paraden alle mobilen Toilettenhäuschen aus den Straßen. In der Folge waren die Toiletten aller angrenzenden Gaststätten heillos überfüllt. "Wenn du zum Beispiel auf einer geschäftigen Straße in New York unterwegs bist, umgeben dich vermutlich hunderte von Toiletten, die du aber nicht nutzen kannst, weil sie sich in privaten Wohnungen befinden", sagt Laurendine im Gespräch mit der New York Post. Dieses Paradox wolle er lösen.

Nette Toiletten in Deutschland

In Deutschland ist ein ähnlicher Trend seit längerem bekannt. Auf der Internetplattform "Die nette Toilette" bieten Gastronomen kostenlos die öffentliche Nutzung ihrer Toiletten an. In Niedersachsen, Nordrhein Westfalen und Baden-Württemberg zusammen gibt es bisher fast 1500 nette Toiletten.

Die in Amerika und Belgien so erfolgreiche Airpnp-App hingegen, findet in Deutschland dagegen kaum Anhänger. Im gesamten Bundesgebiet bieten bisher gerade einmal ein Dutzend Privatleute ihre Toiletten an.

Dabei kann die App, zumindest in Amerika, für Toiletteninhaber durchaus interessant sein. Es gäbe immer mehr Nutzer, die sich mit ihren Toiletten ein kleines Taschengeld nebenbei sichern würden, sagt Laurendine der New York Post. Als Beispiel nennt er einen Nutzer aus Brooklyn, der durch sein Badezimmer schon mehr als 100 Dollar eingenommen haben soll.

Doch wer benutzt denn einfach so die Toilette eines völlig fremden Menschen? Jeder würde das tun und das voller Dankbarkeit, glaubt Laurendine. Der Druck muss einfach nur groß genug sein.