Es begann als erotisches Shooting in der Gothic-Szene - und endete tödlich: Ein Wissenschaftler erwürgte eine Internet-Bekanntschaft. Nun wurde er verurteilt.

Was im Sommer 2008 in einem Hotel-Appartement als erotisches Foto-Shooting begann, endete für ein 20 Jahre altes Modell tödlich. Ein Hobby-Fotograf schlug die junge Frau in Beelitz-Heilstätten (Brandenburg) mit einer Bratpfanne bewusstlos, erwürgte sie und verging sich anschließend an der Getöteten.

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Der Angeklagte während der Verhandlung im Gespräch mit seinem Anwalt. (© Foto: ddp)

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Für diese Tötung sowie Störung der Totenruhe wurde der 39 Jahre alte Naturwissenschaftler aus Mainz nun mit zehn Jahren Haft bestraft. Das Landgericht Potsdam sah es in seinem Urteil als erwiesen an, dass der Mann die 20-Jährige zur Befriedigung seines Sexualtriebs vorsätzlich erwürgt und sich danach an ihrer Leiche vergangen hatte. Das Gericht entschied, dass er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Während der mehr als zweistündigen Urteilsbegründung saß der Angeklagte mit den blonden kurzen Haaren und der Brille ruhig da. Der Vorsitzende Richter, Frank Tiemann, sagte, der 39-Jährige sei "kein eiskalter Verbrecher", sondern psychisch krank und müsse behandelt werden.

Kurz wischte sich der 39-Jährige mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen. Er blieb dabei: Es war ein Unfall, er habe das Mädchen geliebt.

Der in Baden-Württemberg geborene promovierte Wissenschaftler hatte laut Urteil eine besondere Vorliebe für Sado-Maso-Sexpraktiken."Es war sexuell erregend für den Angeklagten, Dominanz zu spüren und das Leben eines anderen Menschen in der Hand zu haben", sagte Richter Tiemann.

Sein späteres Opfer lernte der Mann über eine Internetplattform für Fotomodelle kennen. "Die Modell-Fotografie war die ideale Möglichkeit für einen nicht mehr ganz jungen Mann, Kontakt zu jungen hübschen Frauen zu bekommen", sagte der Richter. Mehr als 70 Frauen ließen sich von dem 39-Jährigen ablichten.

Die Foto-Shootings fanden oft auf Friedhöfen statt. Für solche Szenerien hatte auch die 20-Jährige ein Faible. Monatelang hatten die beiden E-Mails und SMS ausgetauscht oder sich per Chat unterhalten.

Im Juli des Vorjahres trafen sie sich dann. Am frühen Morgen, als die junge Frau noch schlafend auf dem Bett lag, geschah dann der psychologische "Dammbruch", wie der Richter sagte. Der Wissenschaftler verlor die Kontrolle, schlug der wehrlos ausgelieferten Frau die Bratpfanne auf den Kopf und würgte sie dann zwei Minuten lang.

In diesem Augenblick machte der Richter eine Pause. Der Vater des jungen Opfers ergriff die Hand seiner Frau, sie fasste sich an die Augen. Die Stille im Saal schien endlos. "Das waren jetzt zwei Minuten", sagte Tiemann, "das kann nicht fahrlässig gewesen sein." Dieses sei allerdings Ausdruck einer psychischen Erkrankung: Der 39-Jährige habe Gewalt- und Tötungsphantasien gehegt, diese allerdings lange Zeit verdrängt, bis sie sich schließlich Bahn gebrochen hätten.

Als er seine Tat begriff, habe der verzweifelte Mann versucht, sich umzubringen.

Gegen das Urteil des Landgerichts ist die Revision zum Bundesgerichtshof möglich.

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(dpa/afp/dmo)