Tod im Berliner Zoo Facharzt: Knut starb nach epileptischem Anfall

Warum starb Eisbär Knut? Ein Bonner Neurologe bezieht Stellung. Tierfreunde erheben in einer öffentlichen Traueranzeige Vorwürfe gegen den Chef des Berliner Zoos.

Der plötzliche Tod des populären Berliner Eisbären Knut bewegt auch nach mehr als einer Woche noch zahlreiche Menschen. Die Spekulationen über die Todesursache, über ein Denkmal für Knut, aber auch eine Debatte um die Haltung von Zootieren gehen weiter.

Nach Einschätzung eines Facharztes soll das Tier in den letzten Minuten seines Lebens einen epileptischen Anfall erlitten haben, wie das Nachrichtenmagazin Focus meldete. Einer Vorabmeldung vom Samstag zufolge sah sich der Bonner Neurologe Christian Elger einen im Internet kursierenden Film an, auf dem Knuts letzte Momente zu sehen sein sollen. Die darauf zu sehenden "typischen Drehbewegungen" des Tieres mit einem angezogenen Bein deutete der Epilepsie-Experte als einen Anfall. Ähnliches kenne er auch aus Beobachtungen von Laborratten, wird der Professor der Universität Bonn zitiert.

Laut Augenzeugen stürzte Knut in das Wasser seines Geheges im Berliner Zoo. Der Krampf, den Elger bei dem Eisbären im Film erkannt haben will, habe entsprechende Schutzreflexe vor dem Ertrinken im Gehirn ausgeschaltet. Auch Bärenkurator Heiner Klös und andere Zoobesucher, die den Vorfall beobachteten, vermuteten, dass Knut "eine Art epileptischer Anfall" geschüttelt habe. Vor einigen Tagen hatte der Berliner Zoo bekannt gegeben, dass bei Untersuchungen "deutliche Veränderungen des Gehirns" festgestellt wurden. Der epileptische Anfall war laut Experte Elger Folge einer Hirnerkrankung.

In einer Traueranzeige im Tagesspiegel haben Knut-Freunde aus aller Welt unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Berliner Zoo erhoben. In der Anzeige heißt es, die Zooleitung habe das Tier "nur verwahrt". Weiter schreiben die Fans: "Du hattest das Leben eines Polarprinzen verdient. Stattdessen wurdest du mit den billigsten Lösungen abgespeist." Unter anderem wird moniert, dass Knut wenig Spielsachen gelassen wurden und er sich häufig durch die drei Eisbärinnen in seinem Gehege bedrängt fühlte.

Derartige Vorwürfe wies Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erneut zurück. Er verteidigte die Haltung von Zootieren generell. Zoos seien heutzutage "nötiger denn je, und zwar zu Bildungszwecken", sagte Blaszkiewitz dem Blatt. Er begründete dies mit schlechten Kenntnissen vieler Deutscher in Biologie.

"Extreme Vermenschlichung"

Blaszkiewitz äußerte sich kritisch über die tiefe Bestürzung nach dem Tod des Eisbären. "Ich hatte Knut auch gern. Aber in Japan sind mehr als 20.000 Menschen gestorben. In Nordafrika herrscht Krieg", sagte der Zoodirektor dem Blatt zufolge. Schon zu Knuts Lebzeiten sei der Grad der Vermenschlichung des Tieres "extrem gewesen".

Wie die Bild am Sonntag berichtet, soll Knut dennoch ein Denkmal im Berliner Zoo erhalten. Es solle ein überlebensgroßes Bild eines Eisbärenbabys vor jener Anlage gebaut werden, in der das Tier von seinem ebenfalls schon verstorbenen Pfleger Thomas Dörflein aufgezogen wurde. Der Verein Freunde des Hauptstadt-Zoos hatte bereits Anfang der Woche eine aus Spenden finanzierte Knut-Skulptur vorgeschlagen.

Nach den Plänen des Berliner Zoos soll Knut ausgestopft und im Naturkundemuseum ausgestellt werden. Das Tier war am 5. Dezember 2006 als erstes Eisbärenjunges seit 33 Jahren in Berlin geboren worden und erlangte weltweite Bekanntheit.