Tod der dreijährigen Yagmur Staatsanwaltschaft sieht keine Versäumnisse

Schon lange vor dem gewaltsamen Tod der kleinen Yagmur aus Hamburg standen die Eltern im Verdacht der Kindesmisshandlung. Doch die Staatsanwaltsschaft stellte die Ermittlungen ein. Es habe keine Beweise gegeben, betonte die damalige Ermittlerin im Untersuchungsausschuss.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat im Fall des getöteten dreijährigen Mädchens Yagmur Fehler und Versäumnisse bei früheren Ermittlungen wegen Kindesmisshandlung zurückgewiesen. "Ich wüsste nicht (...), was ich hätte anderes machen können", sagte die damals ermittelnde Staatsanwältin am Donnerstag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Die Anklagebehörde hatte bereits knapp ein Jahr vor dem gewaltsamen Tod des Mädchens nach einer Anzeige wegen der Misshandlung Yagmurs ermittelt, das Verfahren gegen Eltern und Pflegemutter jedoch gut einen Monat vor dem Tod des Mädchens eingestellt. "Es gab keine Beweismittel, keine Grundlage, auf der man diesen Personen eine Täterschaft hätte nachweisen können", sagte die 54-jährige Staatsanwältin im Ausschuss. Yagmur war am 18. Dezember vergangenen Jahres in der Wohnung ihrer Eltern an den Folgen eines Leberrisses gestorben.

Ursprünglich galt der Vater als Haupttäter. Seine Frau wurde verhaftet, weil sie angeblich nichts gegen die Misshandlungen unternommen hat. Doch vergangene Woche erklärte die Staatsanwaltschaft plötzlich, sie sehe es nun genau umgekehrt. Sie erhob Mordanklage gegen die Mutter und wirft dem Vater nur noch Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen vor. Beide beteuern ihre Unschuld.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss will nun klären, wie das Kind zu Tode kommen konnte, obwohl es seit seiner Geburt unter der Aufsicht des Jugendamts stand und auch die Staatsanwaltschaft wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen eingeschaltet war.

Austausch und Verhalten der Behörden im Fokus

Näher betrachten wollen die Abgeordneten daher auch den Austausch zwischen den Behörden. Denn obwohl die Ermittlungen noch liefen, gab das Jugendamt im vergangenen Sommer dem Wunsch der Eltern nach, Yagmur solle wieder bei ihnen leben. Vier Monate später war das Kind tot.

Im Fokus steht zudem das Verhalten der Behörden nach der Strafanzeige des Rechtsmediziners Klaus Püschel. Dieser hatte bei Yagmur eine lebensgefährliche Schädelverletzung, eine entzündete Bauchspeicheldrüse durch stumpfe Gewalt und zahlreiche Blutergüsse festgestellt.

Die Staatsanwältin betonte, sie sei sich der Schwere der Verletzungen des Mädchens bewusst gewesen. Auch habe sie gewusst, dass die Eltern schon gewalttätig aufgefallen seien. Gleichwohl habe sie keine Beweise gehabt. Dass die entzündete Bauspeicheldrüse einen Hinweis auf den Tatzeitpunkt und damit auf die Eltern hätte geben können, sei aus dem Gutachten Püschels nicht herauszulesen gewesen. Anders als bei den anderen Verletzungen stand dazu in der Expertise nichts drin. "Heute würde ich noch einmal nachfragen", räumte die Staatsanwältin ein. Sie wies aber auch darauf hin, dass der "erfahrene Rechtsmediziner" Püschel von sich aus auch nichts dazu gesagt habe.

"Es war für mich insgesamt enttäuschend und frustrierend, dieses Verfahren einstellen zu müssen. Ich hätte mir mehr Ermittlungsansätze gewünscht", sagte die Staatsanwältin. Im Anschluss habe sie die Akte an das Bezirksamt geschickt und darauf hingewiesen, dass die Eltern weiter im Verdacht stünden, ihr Kind zu misshandeln. Rätselhaft sei ihr, dass ihre Angaben nicht verständlich gewesen sein sollen. "Es wäre jederzeit eine Nachfrage möglich gewesen", sagte die Beamtin. "Ich wurde aber nie kontaktiert."

Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) der Jugendämter in Hamburg verwahrte sich unterdessen gegen Vorwürfe. Mit einer Aktion wollen die Beschäftigten auf die aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. "Über den Tod der kleinen Yagmur sind wir sehr betroffen", erklärten sie. Sie seien aber auch betroffen von den Anklagen gegen den ASD. "Denn so sehr wir uns auch anstrengen (...), wir werden es nicht verhindern können, dass Eltern ihre Kinder misshandeln und dass Kinder dadurch sterben."