Spitz, Dackel oder Pinscher sind hierzulande nicht mehr so häufig auf den Straßen zu sehen. Denn die Deutschen entdecken die globale Vielfalt der Hunderassen - und schätzen jetzt auch den ungarischen Viszla.
Kurze krumme Beine, ein langer Körper - so kam das Maskottchen der japanischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 daher. Es war ein schwarzer Dackel, merkwürdigerweise Erwin Rommel genannt, nach dem Generalfeldmarschall mit dem Beinamen "Wüstenfuchs''.
Dieser Pinscher trägt auch ein Deckchen, doch die Deutschen lieben ihn nicht mehr. (© Foto: dpa)
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Auch das Wappentier der Olympischen Spiele 1972 in München war ein Dackel, Waldi gerufen, weil im Süden alle Dackel Waldi heißen (nur der Waidmann nennt sie Waldmann). Es laufen aber Jahr ums Jahr weniger Waldis in Deutschland herum, und so verschwindet allmählich eine Rasse aus dem Stadtbild, die den deutschen Hundefreunden einst so lieb war wie sonst nur noch der Schäferhund, dessen Züchtung ebenfalls zum nationalen Kulturerbe gehört.
Mit beiden geht es bergab im Land, obwohl sie noch die Spitzenplätze in der Welpenstatistik des Verbands für das deutsche Hundewesen einnehmen. Fast 17.000 Schäferhunde sind da für das Jahr 2006 verzeichnet und mehr als 7.000 Teckel, wie die rau-, kurz- und langhaarigen Dackel korrekt heißen, die den Jägern als Bau-Arbeiter dienen, welche Fuchs und Dachs aus den Höhlen treiben.
Globale Vielfalt der Hunderassen
Aber der Trend geht eindeutig nach unten. So wie die Deutschen seit Jahrzehnten die heimische Küche mit Speisen aus aller Welt anreichern, so haben sie längst die globale Vielfalt der Hunderassen entdeckt.
Anderen ergeht es noch ärger. Der Spitz, von Wilhelm Buschs Witwe Bolte zu Unrecht als Hühnerdieb verfolgt, war nach dem Krieg noch ein als Kläffer verschriener Allerweltshund auf deutschen Straßen. Mittlerweile wird er schon als gefährdete Haustierrasse eingestuft wie das Waldviertler Blondvieh und das ungarische Zackelschaf.
Nicht viel besser ist es dem Pinscher ergangen, den man einst häufig zu sehen bekam, zittrig dastehend, obwohl von der Herrschaft fürsorglich mit einem Deckchen bekleidet. Auch Pudel und Cockerspaniels haben ihre Boomjahre hierzulande hinter sich, wenn sie auch noch in den Top Ten der Welpenliste rangieren.
Exoten und einstmals nur dem Jagdgebrauch dienende Rassen laufen ihnen nun mehr und mehr den Rang ab. Labrador und Golden Retriever sind beliebt, auch die munter-frechen Russell-Terrier. Connaisseure entdecken elegante Rassen hinter dem einstmaligen Eisernen Vorhang, etwa den ungarischen Viszla; andere verhelfen den silbergrau schimmernden Weimaranern zu einer Renaissance.
Kurzlebige Modewellen
Eher kurzlebig sind dagegen medial inspirierte Modewellen, von denen eine die Dalmatiner erfasste, nachdem sie hundertfach durch die Kinos gelaufen waren. Die Tierärzte sehen solche Wellen mit Sorge, weil verantwortungslose Züchter den Massenbedarf schnell befriedigen, ohne auf die Gesundheit der Tiere zu achten.
Ohnehin leiden zahlreiche Hunde lebenslang an Krankheiten, weil das Zuchtziel aus völlig unnatürlichen Rassemerkmalen besteht: extrem große oder kleine Körper, extrem kurze Schnauzen, extrem lange Ohren, Berge von Falten. Wer einen Mischling wählt - schätzungsweise 60 Prozent der Hunde in Deutschland -, ist vor solchen Auswüchsen und vor Inzucht gefeit.
Sie finden sich beispielsweise in den Heimen des Tierschutzbundes, die jährlich mehr als 50.000 Hunde vermitteln. Dackel sind immer weniger darunter, dafür sind sie in Japan der große Renner: Mehr als 20.000 Dackelwelpen kamen dort voriges Jahr zur Welt - hoffentlich mit einheimischen Kriegshelden als Paten.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 18.8.2007)
Müll am Fluss
Ist der Wüstenfuchs erst tot
Leidet auch der Dackel Not
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Ludwig Erhardt, wohlbeleibter Vater des bundesdeutschen Wirtschaftswunders und später eher unglücklich agierender Bundeskanzler, hatte sich einmal dazu hinreißen lassen, einige damalige Linksintellektuelle (und den Dramatiker Rolf Hochhuth im besonderen) als "Pinscher" zu bezeichnen.
Damals war das Aufheulen im Umkreis der Betroffenen groß und heftig, heutzutage müsste man wahrscheinlich erst mal ausführlichst erläutern, was ein Pinscher überhaupt ist.