Thüringen Kita-Erzieherinnen fesselten Kinder zum Mittagsschlaf

Eine Praktikantin hat aufgedeckt, welche drastischen Praktiken in der Kindertagesstätte "Spatzennest" im thüringischen Altenburg an der Tagesordnung waren. Drei Erzieherinnen schnürten Kleinkinder zum Mittagsschlaf ein und bedeckten ihre Gesichter mit Tüchern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Drei Erzieherinnen in Thüringen sind entlassen worden, nachdem aufgedeckt wurde, dass die Frauen mindestens drei Kinder zum Mittagsschlaf regelmäßig festbanden. Die rabiaten Praktiken der Angestellten der integrativen Kindertagesstätte "Spatzennest" im thüringischen Altenburg werden nun von der Staatsanwaltschaft untersucht.

"Sie haben die Kinder beim Schlafen eingewickelt und zugeschnürt, damit sie ruhig bleiben", so die zuständige Fachdienstleiterin des Landkreises Altenburger Land, Marion Fischer. "Sie haben ihnen auch Tücher aufs Gesicht gelegt." Den Frauen sei wegen Kindeswohlgefährdung fristlos gekündigt worden.

Sogenanntes Pucken, bei dem kleinen Kindern die Arme eng an den Körper gelegt und sie dann in eine Decke eingewickelt werden, sei legitim. In diesem Fall seien die Kinder aber zusätzlich mit Mullwindeln fixiert worden. "Wir sind völlig geschockt, dass so etwas in unserer Einrichtung passieren konnte", sagte der Geschäftsführer der örtlichen Volkssolidarität, Volker Kibisch. Sie ist Träger der Kita.

"Wir haben den Eltern psychologische Betreuung angeboten"

Das Pucken sei nur erlaubt, wenn die Erzieher in unmittelbarer Nähe der Kinder blieben und die Decke wieder lösten, nachdem sich die Kinder beruhigt hätten, erklärte er. Die Kleinen hätten mit den Tüchern auf dem Gesicht schlimmstenfalls sogar ersticken können.

Die Missstände wurden zufällig von einer Schülerin aufgedeckt, die im Oktober in der Einrichtung ein Praktikum absolvierte. Ihre Lehrer hätten den Träger informiert und dieser wiederum das Landratsamt. Die drei Frauen, langjährige Erzieherinnen im "Spatzennest", hätten die Vorwürfe eingeräumt, sagte Kibisch. Inzwischen sei Anzeige gegen sie erstattet worden.

Wie lange diese Praktiken in der Kita mit insgesamt 162 Schützlingen an der Tagesordnung waren und wie viele Kinder genau betroffen sind, blieb zunächst unklar. Die nun bekanntgewordenen Fälle betreffen eine Gruppe mit 16 Kindern im Alter von null bis zwei Jahren.

"Wir haben den Eltern psychologische Betreuung angeboten", sagte Kibisch. Das Vorgehen der drei Frauen sei zuvor nicht aufgefallen, weil die Kinder in einem separaten Schlafraum ihre Mittagsruhe halten.