Thronwechsel in den Niederlanden Volle Krönung

Party in Orange: Amsterdam bereitet sich auf die Feierlichkeiten zum Thronwechsel vor.

(Foto: dpa)

Rundum in Orange gehüllt feiert ganz Amsterdam am Dienstag den neuen König Willem-Alexander. Wo kann man das Spektakel in Deutschland miterleben? Welche berühmten Gäste werden erwartet? Und was macht jetzt eigentlich Königin Beatrix? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Thomas Kirchner und Charlotte Theile

Was ist in Amsterdam los?

Es wird eng, mehr als 800.000 Menschen sollen kommen. Gefeiert wird neben der Inthronisierung auch der Koninginnedag. Da darf jeder auf den Straßen der Innenstadt Gerümpel feilbieten. Ansonsten: Musik hören, trinken, tanzen - der Grachtengürtel ist Partyzone. Und nebenbei kann man auf Tausenden Leinwänden im Café, auf dem Dam-Platz, im Vondelpark oder sonst wo das offizielle Programm verfolgen: 10 Uhr: Königin Beatrix unterzeichnet die Abdankungsurkunde im Paleis op de Dam, 10:30 Uhr: Die Königsfamilie betritt den Palastbalkon, 14 Uhr: König Willem-Alexander legt in der Nieuwe Kerk den Eid auf die Verfassung ab. 16:30 bis 18:00 Uhr: Staatsempfang, 19:30 Uhr: Die Bootsrundfahrt der königlichen Familie beginnt, aus Sicherheitsgründen aber nicht durch die Grachten, sondern auf dem IJ nördlich des Zentrums.

Wo wird das übertragen?

Von 9:05 Uhr bis zum späten Nachmittag sendet die ARD "Ein Prinz wird König", moderiert von Michael Strempel, dem Auslandschef des WDR. Dazu Kommentare des Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert. Zwischen 11 und 13 Uhr übernehmen Tagesschau und ARD-Buffet. ORF 2 hat Hape Kerkeling zu bieten, der ab 9 Uhr morgens live aus Amsterdam berichtet. Echte Fans greifen zum Streaming auf nos.nl.

Was zieht man an?

Die Kostüme können nicht wild genug sein: Knallenges Ganzkörpersuit? Wunderbar! "Ja, ik willem" als T-Shirt-Spruch? Fast schon langweilig. Orange Löwen-Mütze auf oranger Perücke, dazu orange Gummistiefel oder Holzschuhe, kombiniert mit orangem Nagellack samt Máxima-Konterfei auf dem Daumen? Schon besser. Der Renner ist ein Shirt der Amsterdamer Designerin Joan An Beaudoin. Es zeigt ein B, das vom Haarhelm der abtretenden Monarchin umrahmt wird, darüber steht "Queen". Mit oder ohne Ärmel. Wer noch eins findet, hat gewonnen.

Wer ist eingeladen?

Keine amtierenden Staatsoberhäupter, dafür viele europäische Prinzenpaare. Vielleicht kommen auch Charles und Camilla. Aus Japan haben sich Prinz Naruhito und seine seit fast zwanzig Jahren krankgeschriebene Frau Masako angekündigt. Nicht dabei sein wird Máximas Vater Jorge Zorreguieta, der während der argentinischen Diktatur als Staatssekretär tätig war und deshalb schon die Hochzeit 2002 verpassen musste.

Was kostet der Spaß?

Die Rede ist von etwa zwölf Millionen Euro - fast die Hälfte aller Niederländer findet übrigens, dass diese hohen Kosten nicht mehr in die heutige Zeit passen.

Wer ist der neue König?

Willem-Alexander, seit Samstag 46, wird der vierte männliche Monarch der Niederlande sein, seit 1890 saßen vier Frauen auf dem Thron. Er hat Geschichte studiert und als Offizier in der Armee gedient. Auf Anregung seines Vaters ließ sich der früher als leichtlebig geltende Thronfolger ("Prinz Pilsje") auch zum Experten für Wassermanagement ausbilden. So kann er sich nützlich machen, wenn wieder was über die Deiche schwappt. Hobbys: Autos, Flugzeuge, Skifahren, Tennis, Segeln, Reiten und Tauchen. Verdienst: 825.000 Euro steuerfrei.

Wer ist die neue Königin?

Máxima, 41, ist das mit Abstand beliebteste Mitglied der königlichen Familie. Die gebürtige Argentinierin war Bankerin, bevor sie Willem-Alexander kennenlernte, den sie 2002 heiratete. Sie haben drei blonde Töchter: Amalia, 9, die nächste Thronfolgerin, Alexia, 7, und Ariane, 5. Máxima spricht fast akzentfrei niederländisch. Am Titel "Königin", den sie nun tragen wird, liegt ihr angeblich nicht viel: "Jeder nennt mich Máxima." Residieren wird das Paar in Den Haag, im Wohnschloss Huis ten Bosch und im Arbeitsschloss Noordeinde.

Was macht Beatrix jetzt?

Mit 75 ist sie wieder Prinzessin und kehrt nach Schloss Drakensteyn bei Utrecht zurück, wo sie einst mit Prinz Claus und den drei Söhnen wohnte. Im September verabschiedet sie sich mit einem Fest in Rotterdam. Dann wird sie sich der Bildhauerei und ihren Enkeln widmen und ihren Sohn Prinz Friso besuchen, der nach einem Lawinenunfall in London im Koma liegt.

Was halten die Deutschen davon?

Wir mögen Willem-Alexander, zumal er - dank Prinz Claus - zur Hälfte Deutscher ist und unsere Sprache fast perfekt spricht. Wir mögen überhaupt all die Royals, weil wir den Rummel aus sicherer Entfernung genießen können, ohne uns um die Demokratie sorgen zu müssen. 20 Prozent der Deutschen wünschen sich angeblich einen König. Dass es nicht die Mehrheit ist, liegt vielleicht auch daran, dass unser letzter Kaiser eine Niete war: Wilhelm II. hatte einen Minderwertigkeitskomplex bei gleichzeitigem Größenwahn - die gefährlichste Mischung für einen Regenten.