Thronwechsel in den Niederlanden Amsterdam im Königstaumel

Das Fest zur Inthronisierung Willem-Alexanders verlief wenig anders als die Love Parade zu ihren besten Zeiten: Die Niederländer feiern ausgelassen ihren neuen Regenten. Ein Ehrengast mag ob dieser Amtsübergabe ein wenig neidisch geworden sein.

Von Thomas Kirchner, Amsterdam

Am Ende war der Thronwechsel in Amsterdam tatsächlich, wie gewünscht, ein Fest des Volkes. Es verlief im Wesentlichen nicht anders als die Loveparade zu ihren besten Zeiten: Hunderttausende, meist junge Menschen zogen durch die Straßen, von einer stampfenden Musikinsel zur nächsten, im Laufe des Tages immer stärker schwankend, benebelt von Bier und Gras. Sie feierten Amsterdam, Holland, den Frühling, sich selbst, sie tanzten auf Booten in den Grachten, auf dem Museumplein, im Vondelpark, vor Coffeeshops und Bordellen in den Wallen.

Der eine oder andere, und sicher viele ausländischen Gäste, werden gar nicht mitbekommen haben, was zwischen dem Königlichen Palais und der auch schon 500 Jahre alten und nicht mehr ganz neuen "Nieuwe Kerk" passierte: Die Niederlande erhielten nach 33 Jahren Beatrix einen neuen König, den ersten Mann an der Spitze des Hauses Oranje seit dem Tode Willems III. 1890: Willem-Alexander.

Die Abdankung am Morgen verlief glatt, fast unspektakulär. Unter den 25.000 Menschen, die sich die königliche Familie live auf dem Damplatz anschauen wollten, verloren sich zwei einzelne Monarchie-Gegner. Der eine hielt ein Schild in die Höhe, auf dem er mehr Demokratie forderte, die andere hockte sich hin und malte "Ich bin kein Untertan" auf Pappe. Königstreue ringsumher schüttelten den Kopf. "Die haben ihren Spaß doch nur, weil es die Monarchie gibt", sagt einer. Andere stellten sich demonstrativ vor das Protest-Plakat und reckten eine Bettdecke in die Luft, auf der stand: Bea ist die Beste. So harmlos der Protest auch war, und so sehr er unterging in der erwartungsfrohen Menge, so nervös reagierte die Polizei und nahm die beiden nach ein paar Minuten mit auf die Wache.

So blieben nur noch Jubler übrig, als Beatrix, ihr Sohn, die neue Königin Maxima und die Kinder des Paares auf den Balkon traten. Amalia, mit neun Jahren die älteste der drei Töchter, ist jetzt die neue Thronfolgerin. "Bea bedankt"-Rufe schallten über den Platz, und "Es lebe der König". Die Ex-Monarchin hielt ihre Ansprache kurz, zwei Sätze, viel mehr sagte auch ihr Sohn nicht.

Ein paar Dutzend Monarchiegegner fanden sich danach auf dem Waterlooplein zu einer - genehmigten - Demonstration samt harter Rockmusik ein. Ungefähr genau so viele Journalisten verfolgten jeden ihrer Schritte, und sobald jemand ein neues Plakat in die Luft hielt, entstand eine Traube aus Kameras und Mikrofonen. Die republikanische Revolution, so viel scheint klar zu sein, steht in den Niederlanden nicht unmittelbar bevor.

Viel Pomp dann am Nachmittag bei der Einhuldigung in der Kirche, einer Zeremonie voll königlichem Glanz: der Monarch im Hermelinmantel - der nicht fast 200 Jahre alt ist, sondern um 1940 von einem Schweizer Schneider erneuert wurde -, Maxima mit Diadem im königsblauen, atemraubenden Kleid eines Amsterdamer Couturiers. Die selbe Farbe trugen Beatrix und die Prinzessinen. Willem-Alexander spricht einen Eid vor den Mitgliedern der Ersten und Zweiten Kammer des Parlaments, im Beisein des europäischen Hochadels. In der ersten Reihe Prinz Charles, wie vor 33 Jahren schon, nur sehr viel grauer, und diesmal mit Camilla. Eine gute Gelegenheit für ihn, sich ein paar melancholische Gedanken über sein Leben zu machen: ein Warten, das vielleicht niemals endet.

Willem-Alexander dankt seiner Mutter

Krone, Zepter und Reichsapfel bleiben derweil auf einem mit purpurfarbenem Stoff bezogenen Tischchen liegen. Einen beträchtlichen Teil seiner Rede, die von holländischen Beobachter als recht ordentlich beurteilt wurde, widmet der neue König seiner Mutter: "Mutter, auf dich war immer Verlass. Danke für die vielen schönen Jahre, in denen wir dich zur Königin haben durften! Von meinem Vater unterstützt, hast du als Königin deinen eigenen Stil entwickelt. Flüchtige Popularität war nicht dein Kompass. Du steuertest einen stabilen und klaren Kurs, inmitten der brandenden Wogen, denn dir war bewusst, dass du in einer langen Tradition stehst."

Dann schwört er, "die Unabhängigkeit und Territorialität des Königreichs" mit all seiner Kraft zu schützen. Vom Damplatz ist Jubel zu hören. Danach legen auch die Abgeordneten und Senatoren des Parlaments einen Eid ab und versichern dem neuen König ihre Treue. 14 von ihnen hatten sich geweigert, das zu tun, sie mussten in die letzte Reihe.

Ein harter Tag für die Prinzessinnen, die neben der Oma saßen. Als Musik einsetzt, muss die Thronfolgerin kräftig gähnen. Die Menge vor den Bildschirmen jubelt.