Von Von Christopher Keil

1987 moderierte er erstmals Wetten, dass...?, nun folgt die 100. Ausgabe. Bei Kerner, dem Seelen-TÜV, behauptete er: "Es ist kaum zu fassen, dass die Leute dich einhundert Mal anschauen und nicht genug kriegen."

Jeder hat ja sein ganz bestimmtes Gottschalk-Erlebnis. Eines, an das man sich erinnern könnte, liegt nun fast 20 Jahre zurück. Damals führte Elstner noch durch die von ihm erfundene Show, und Gottschalk erschien - allerdings nur als Conferencier einer Außenwette.

(© Foto: dpa)

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Die Wette ist vielleicht auch deshalb unvergessen, weil zwei junge Männer behauptet haben, der eine könne dem anderen eine Weintraube über 60 oder 70 Meter in den Mund werfen. Wettpate war die Schauspielerin Maria Schell, die angekündigt hatte, dass sie mit Placido Domino singen wolle: falls keine der Trauben ihr Ziel fänden. Und während sich die zwei Kandidaten im Berliner Olympiastadion vergeblich abmühten, informierte Gottschalk: "In der Ferne höre ich ein Flugzeug. Das ist Placido Domingo auf der Flucht."

Günther Jauch hat die Fähigkeit Gottschalks so beschrieben: Niemand könne aus dem Augenblick heraus so unglaubliche Assoziationsketten bilden. Und Jauch nannte ein Beispiel aus gemeinsamer Radiozeit beim Bayerischen Rundfunk: "Der Thomas hat mal drei Flötenspieler aus der Fußgängerzone in seine Sendung mitgenommen, eine Frau und zwei Männer. Nachts schliefen die in U-Bahnschächten. Alle in einem großen Schlafsack, aber da passiere nichts, sagten sie. Und der Thomas machte daraus: ,Wo man singt, da lass dich nieder, gute Männer haben kleine Glieder.' Also: Fußgängerzone, Lieder, Frau, Männer, Schlafsack, Glieder. Wenn du das so hinkriegst, hast du eine Gabe." Und Gottschalk hat es hingekriegt.

Gottschalk - die deutsche Breite

Im September 1987 moderierte er erstmals Wetten, dass...?, nun folgt die 100. Ausgabe. Bei Kerner, dem Seelen-TÜV, behauptete er: "Es ist kaum zu fassen, dass die Leute dich einhundert Mal anschauen und nicht genug kriegen." Was sicher auch am Format liegt, das mit seinen gewetteten Spielen, seinen oft gesponsorten Prominenten und populären Musikeinlagen die Freizeitinteressen der Menschen in der Breite bedient.

Thomas Gottschalk ist die deutsche Breite geworden, der deutsche Mainstream. Besser und mehr wollte er nie sein. Sein größtes Missverständnis war, von den Feuilletons akzeptiert zu werden. Das größte Missverständnis der Kritik war, ihn ernst zu nehmen. Er hat als Entertainer keine Botschaften, wenn man davon absieht, dass er gerade gegen Zielgruppen-TV wettert, weil sich das auf die 14- bis 49-Jährigen konzentriert. Und ihn mit 53 trotz lebensblonder Locken ausschließt.

Sein größtes Vergnügen sind Quotenanalysen, die ihm zeigen, dass er die Jungen und natürlich mehrheitlich die Alten vor die Glotze bekommt. Einmal überzog er 73 Minuten und insgesamt über 2000 Minuten, was genau 15 Wetten, dass...?-Folgen entspricht. "Ich war", sagt er, "eigentlich nie überfordert."

Manchmal hätte man es ihm gewünscht.

Wetten, dass...?, ZDF, Samstag, 20.15 Uhr.

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