Terry Richardson Wenn ein Fotograf zu nahe rangeht

Für Terry Richardson haben sich schon Tausende Menschen ausgezogen. Nun steht der Starfotograf im Verdacht, seine Modelle sexuell bedrängt zu haben.

Von U. Bretz

Terry Richardson provoziert gerne. Trotzdem - oder gerade deswegen - hat das enfant terrible der Fotografenszene es ganz nach oben geschafft. Der Amerikaner hat für Gucci und Sisley fotografiert, vor seiner Kamera standen Topmodel Kate Moss, Schauspielerin Juliette Lewis, Modezar Karl Lagerfeld, die Spice Girls und im Jahr 2007 sogar Barack Obama. Er hat den Vogue-Kalender 2008 gestaltet und diesjährigen Pirelli-Kalender.

Meist inszeniert er seine Models in einer schmutzigen Pornoheft-Asthetik. Terry Richardson geht nah ran, er zeigt auch die unschönen Seiten der Menschen und verleiht ihnen so einen schmutzigen Porno-Chic. Sie zogen sich trotzdem für den 44-Jährigen aus - auch wenn es immer wieder Gerüchte gab, dass das eine oder andere Fotoshooting in eine Gruppensex-Runde überging.

Nun werden Vorwürfe laut, der New Yorker sei manchen seiner Fotomodelle zu nah gekommen: Eines seiner Models hat Richardson laut der britischen Zeitung The Guardian vorgeworfen, die Arbeit mit ihm sei degradierend, und sein Vorgehen manipulativ.

Die Aussage der Frau hat in US-amerikanischen Medien eine Debatte über Richardsons Arbeit ausgelöst. Rie Rasmussen, dänisches Supermodel, soll ihn bei der Fashion Week in Paris auf die Vorwürfe angesprochen haben. "Ich sagte zu ihm, das, was du tust, ist sehr herabwürdigend für die Frauen". Richardson habe die Schau daraufhin fluchtartig verlassen.

Der New York Post sagte sie: "Er holt sich junge Mädchen, manipuliert sie, bis sie ihre Kleider ausziehen und schießt dann Bilder von ihnen, für die sie sich schämen müssen. Die Mädchen trauen sich nicht, nein zu sagen, weil ihre Agenturen sie für diesen Job gebucht haben und sie zu jung sind, um sich durchzusetzen."

Dem Model, das als erstes öffentlich gesagt hat, dass sie sich von dem Fotograf bedrängt gefühlt habe, sind unterdessen andere Mädchen zur Seite gesprungen: Richardson hat laut The Guardian etliche anonyme Zuschriften von Ex-Models bekommen, die sich bei den Fotosessions ebenfalls unwohl fühlten.

Richardson selbst schweigt zu den Vorwürfen bislang. Doch als vor fünf Jahren in Manhatten seine Ausstellung Terryworld eröffnet wurde, sagte er: "Ich nutze gar niemanden aus. Das ist nicht meine Art. Jeder hat Spaß bei meinen Shootings." Und er sagte noch etwas: "Meine Regel ist, dass ich niemanden um etwas bitte, das ich nicht selbst tun würde."

Das allerdings hat bei Richardson nicht viel zu sagen. Denn dass er ein nicht ganz gewöhnliches Verhältnis zur Sexualiltät hat, ist ihm selbst bewusst: "Ich glaube nicht, dass ich sexsüchtig bin", sagte er einmal. "Aber ich habe sicher das eine oder andere Problem." Jetzt hat er erst recht eins.