Terrorismusverdacht Vier Tote bei Geiselnahme in Südfrankreich

  • In Südfrankreich hat ein Mann bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt und einem Autoraub drei Menschen getötet. Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter erschossen.
  • Er war der Polizei als Dealer bekannt. Von einer Radikalisierung wussten die Behörden nichts.
  • Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamiert die Tat für sich. In der Vergangenheit hat sie das aber auch, wenn Einzeltäter ohne Absprache Anschläge begangen hatten.

Die Polizei hat die Geiselnahme in einem Supermarkt im südfranzösischen Trèbes beendet. Der mutmaßliche Attentäter ist tot. Wie Innenminister Gérard Collomb gegenüber Journalisten bestätigte, hat der Mann insgesamt drei Menschen getötet und Geiseln in einem Supermarkt genommen, bevor ihn Polizisten erschossen.

Der Angreifer soll im Touristenort Carcassonne ein Auto gestohlen haben. Bei dem Raub tötete er einen Passagier des Wagens, der Fahrer wurde schwer verletzt. Dann soll er auf Beamte des CRS geschossen haben, einer Einheit der Bundespolizei, die gemeinsam joggten. Einer der Beamten wurde an der Schulter verletzt.

Nach seinem Angriff auf die Polizisten fuhr der Angreifer zu einem Supermarkt der Kette "Super U" in Trèbes und nahm dort Geiseln. Gegen 11.15 Uhr wurde die Polizei in der 5000-Einwohner-Gemeinde alarmiert. Zeugen hörten Schüsse aus dem Supermarkt. Nach Angaben der örtlichen Polizei wurde ein Fleischverkäufer der Kette "Super U" erschossen. Die Identität des zweiten Todesopfers dort ist nicht geklärt. Zwölf weitere Menschen sollen dem Innenministerium zufolge verletzt worden sein. Unklar ist, wie viele Menschen sich im Gewahrsam des Geiselnehmers befanden.

Ein Polizist ist schwer verletzt worden, der sich gegen eine Geisel austauschen ließ. Innenminister Collomb sprach von einer Heldentat. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Geiselnahme für sich. Der Angreifer sei ein "Soldat des Islamischen Staates", meldete das IS-Sprachrohr Amak am Freitagnachmittag. In der Vergangenheit reklamierte der IS aber auch Anschläge für sich, die Einzeltäter ohne vorherige Absprache begangen hatten. Auch Innenminister Collomb ging zunächst von einem "einsamen Wolf" aus, der alleine gehandelt habe.

Zeugen berichteten dem Radiosender "France Info", der Täter habe "Allahu Akbar" gerufen. Französischen Medien zufolge hat der Geiselnehmer die Befreiung von Salah Abdeslam verlangt, dem einzigen Überlebenden der Pariser Terror-Attacke von 2015. Innenminister Collomb zufolge war der Geiselnehmer der Polizei bekannt, weil er in einem geringen Ausmaß mit Drogen gedealt hatte. Gerüchte, der Mann sei als radikalisierter akut Terrorverdächtiger observiert worden, dementierte der Minister.

Premierminister Edouard Philippe und Präsident Emmanuel Macron sagten beide, es deute alles auf einen terroristischen Anschlag hin. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus eingeleitet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Macron bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden in Brüssel ihre Anteilnahme aus. "Wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun", versprach Merkel.

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