Von Alexander Menden, London

Seit ein 13-Jähriger Vater geworden ist, streiten die Briten wieder heftig. Das Land hat nach den USA die zweithöchste Rate an Teenager-Schwangerschaften.

Es gibt Geschichten, die den Zustand einer Gesellschaft nicht nur griffiger, sondern auch gültiger zu beschreiben scheinen als jede Sozialstudie. So eine Geschichte ist die von Alfie Patten, Chantelle Steadman und ihrer Tochter Maisie, die am Montag vergangener Woche auf die Welt kam.

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"Papa mit 13": Der Fall erhitzt die Gemüter in Großbritannien. (© Foto: AFP)

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Wie gemacht für die englischen Revolverblätter, gibt sie Medienbeobachtern doch erneut Anlass zur Kritik an den niedrigen moralischen Standards der britischen Zeitungen, während die konservative Opposition eine Chance sieht, die Familienpolitik der Regierung als "Kindesmissbrauch" zu geißeln. Vor allem aber ist die Angelegenheit ein aufsehenerregendes Beispiel für ein soziales Phänomen, das in Großbritannien virulenter ist als in jedem anderen westeuropäischen Land: die Teenager-Schwangerschaft.

Alles begann mit einem Foto, das die Boulevardzeitung The Sun vergangenen Freitag auf ihrer Titelseite abdruckte. Es zeigte einen dunkelhaarigen Jungen, der sich mit unsicherem Gesichtsausdruck über ein neugeborenes Baby beugte. Bei den Kindern handelte es sich nicht etwa um Bruder und Schwester. Das stellte die Schlagzeile "Papa mit 13" klar. Seitdem wird die Story vom 13-jährigen Alfie aus East Sussex, der mit der 15-jährigen Chantelle ein Kind gezeugt haben will, in allen Einzelheiten ausgebreitet.

Die Eltern wussten Bescheid

Die Teenager stammen aus dem Old Town Estate, einer Sozialsiedlung im südostenglischen Badeort Eastbourne. Mit Wissen ihrer Eltern schliefen sie regelmäßig im selben Bett. Bei einer der Übernachtungen im vergangenen Jahr, Alfie war damals noch zwölf, wurde Maisie gezeugt. Das behauptet zumindest Chantelle. Alfie wäre damit derzeit der jüngste Vater Großbritanniens. In der Sun berichtete Alfie, Chantelle und er hätten sich "gegen eine Abtreibung entschieden", und er wolle sich nun "gut um das Baby kümmern". Auf die Frage, wie er das alles finanziell bewältigen wolle, fragte er zurück: "Was heißt finanziell?".

Seitdem haben sich ein 14- und ein 16-Jähriger aus derselben Sozialsiedlung gemeldet, die ebenfalls Anspruch auf die Vaterschaft erheben. Beide behaupten, mit Chantelle geschlafen zu haben. Der 16-jährige Küchengehilfe Richard Goodsell verweist darauf, "sogar seine Mutter" finde, das Baby habe "seine Augen". Mittlerweile hat Alfies Familie den auf sensationsträchtige Fälle spezialisierten PR-Experten Max Clifford angeheuert. Clifford hat bekanntgegeben, Alfie habe sich nun zu einem DNS-Test entschlossen, "um die Vaterschaftsfrage zu klären". Was ein DNS-Test ist, musste Alfies Mutter ihm allerdings dem Vernehmen nach erst erklären. Sein Vater, der von der Mutter getrennt lebt, steht laut Daily Star in Verhandlungen mit einem Fernsehsender, der die Eröffnung des Test-Ergebnisses in einer Talkshow live übertragen will.

Die politischen Reaktionen auf diesen in besonders betrüblicher Weise medial ausgebeuteten Fall waren berechenbar: Iain Duncan Smith, familienpolitischer Sprecher der Tories, hält den Fall für ein Indiz "des Zusammenbruchs der Gesellschaft". Gordon Brown wiederholt das dürre Mantra, es sei wichtig, "alles dafür zu tun, um Schwangerschaften von Minderjährigen zu verhindern".

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