Tebartz-van Elst Neuanfang im Vatikan

Auf Bewährung: Franz-Peter Tebartz-van Elst - hier 2013 als Bischof von Limburg auf der Herbstversammlung der Bischöfe - arbeitet nun in Rom.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat einen neuen Job: Er ist "Delegat" im "Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung".
  • Unklar sind seine genauen Aufgaben und wie er den Posten erhielt. Von den Umständen der Ernennung im Dezember gibt es zwei Versionen.
  • Der Papst soll über die Neuigkeit nicht begeistert gewesen sein.
Von Matthias Drobinski

Er hat ihn also, den neuen Job: Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Ende März 2014 nach großem Skandal zurückgetretene Bischof von Limburg, ist "Delegat" im "Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung"; schon seit Anfang Dezember, ernannt vom Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Er soll sich vor allem um die Katechese kümmern, um die Weitergabe des Glaubens also und die Vorbereitung auf die Sakramente.

Die erst dieser Tage verkündete Nachricht beendete das Rätselraten, ob denn nun der Bischof, dem Intransparenz und Verschwendung beim Bau seiner Bischofsresidenz vorgeworfen wurden, tatsächlich ein Amt in Rom hat oder nicht. Ja, er hat.

Nicht so klar ist, was die neue Aufgabe bedeutet und unter welchen Umständen Tebartz-van Elst zu ihr kam. Die Geschichten, die darüber erzählt werden, erzählen auch von den Richtungskämpfen, die derzeit in Rom ausgetragen werden.

Ein Delegat, das ist an der römischen Kurie ein recht unbestimmter Titel. Es gibt in den Kongregationen und Räten - den Ministerien der Kurie - Sekretäre und Untersekretäre, die der Papst offiziell beruft. Über die Delegaten kann der Chef eines Rates oder eine Kongregation selber entscheiden. Sie sind eine Art Berater oder, wie die Katholische Nachrichtenagentur es formuliert, ein "Fachreferent".

Vom Zentrum der Macht ist er ein gutes Stück entfernt

An der gesamten Kurie gibt es nur noch einen weiteren Delegaten, Carlos Alberto de Pinho Moreira Azevedo, Weihbischof aus Lissabon, seit 2011 Delegat im Päpstlichen Kulturrat. Es ist erkennbar ein Posten für Tebartz geschaffen worden. Vom Zentrum der Macht ist er ein gutes Stück entfernt, auch, weil der 2010 eingerichtete "Rat für die Neuevangelisierung" vielen im Vatikan als Kopfgeburt gilt, mit unklarem Arbeitsgebiet und unklarer Leistung. Bei einer Kurienreform könnte er seine Eigenständigkeit verlieren.

Darüber, wie und nach welchen Konflikten Tebartz-van Elst vatikanischer Delegat wurde, gibt es zwei Versionen, wie so oft, wenn es um den einstigen Bischof von Limburg geht. Die eine geht so: Bei der Annahme des Rücktrittsangebots Ende März 2014 hatte Papst Franziskus Tebartz-van Elst versprochen, ihn "zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe" zu betrauen - und nun bekommt der 55-Jährige seine zweite Chance.

Das Amt ist wichtig, aber nicht allzu hoch angesiedelt, und die Aufgabe passt zu seiner Qualifikation: Bevor Tebartz-van Elst Bischof wurde, arbeitete er als Wissenschaftler zu genau den Themen, die im "Rat für die Neuevangelisierung" behandelt werden. Seine Habilitation über die "Gemeinde in mobiler Gesellschaft" wurde sehr gelobt, er forschte und lehrte in den USA und in Frankreich. So einen kann der Präsident des Rates, Salvatore Fisichella, gut gebrauchen - so weit, so selbstverständlich in einer Kirche, die Vergebung und Neuanfang kennt.

Die zweite Version klingt nicht ganz so harmonisch. Ihr zufolge geschah die Ernennung im Dezember an Papst Franziskus vorbei - die Anhänger des alten Papstes Benedikt XVI. suchten demnach eine Verwendung für Tebartz-van Elst, den ja einst auch Benedikt XVI. ernannte. Aus ihrer Sicht ist der einstige Bischof von Limburg auch Opfer einer Medienkampagne in Deutschland, der man sich nicht so einfach beugen kann. Erzbischof Fisichella, dessen Rat ebenfalls unter Benedikt XVI. eingerichtet wurde, übernahm Tebartz dankbar und ließ sich das vom Kardinalstaatssekretär Parolin bestätigen.

Kritiker bezweifeln neuen Posten

Der Papst aber soll nicht amüsiert gewesen sein, als er das erfuhr - entsprechend berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Franziskus habe gesagt, er denke gar nicht daran, Tebartz jetzt ein offizielles Amt zu geben. Nur ändern habe er an der Sache nichts mehr können, außer dass eine offizielle Mitteilung über das neue Amt des Umstrittenen unterblieb.

Was immer stimmen mag - Tebartz-van Elsts Bewährungszeit hat begonnen. Genau an der richtigen Stelle, sagen seine Unterstützer. Die Kritiker wiederum bezweifeln, dass der Mann, der in Deutschland die Zahl der Kirchenaustritte auf Rekordniveau trieb, der richtige Experte für die Neuevangelisierung der säkular gewordenen Teile der Welt ist - zumal es noch keine wirkliche Einsicht bei ihm gebe, dass seine Amtsführung falsch gewesen sei.

Die Arbeitsbelastung im neuen Amt jedenfalls scheint sich noch in Grenzen zu halten: Im Januar hat Tebartz-van Elst an einer Tagung des Rates in Rom teilgenommen und ein Referat gehalten. Seinen Wohnsitz in Regensburg scheint er vorerst behalten zu wollen. Schließlich ist er gewissermaßen noch in der Probezeit.