Kaffeeunternehmen Tchibo verkauft jetzt Inseln

Sieben Inseln stehen zum Verkauf. Hier sieht man: Vilderoy Island, Norwegen - Preis: 85 000 Euro.

(Foto: Tchibo)

Was braucht der Mensch zum Glück? Beim Kaffeeröster Tchibo kann er sich zusätzlich zum Balkonhängeklapptisch jetzt Inseln kaufen. Kosten: zwischen 60 000 und 999 000 Euro.

Von Martin Zips

Es gibt fast nichts, was dieser Kaffeeröster nicht schon im Angebot gehabt hätte: Hausboote, Energiespar-Gebäude, Ultraleicht-Flugzeuge, Rolex-Uhren, Golfclubmitgliedschaften, Billig-Zahnersatz aus Asien. Wahrscheinlich gibt's beim Kaffeeröster bald auch Samenspenden, böhmische Volkstanzgruppen oder den Kölner Dom zu kaufen - die freihandelnde Welt ist da auf einem ziemlich guten Weg. Vorerst kriegt man dort vor allem Herrenslips, selbstaufblasende Isomatten sowie Balkonhängeklapptische. Und ab sofort auch Inseln.

Zum Beispiel Goose Island, gleich vor der kanadischen Atlantikküste. Mit 60 000 Euro ein echtes Schnäppchen. Schön grün, nah am nächsten Flughafen und politisch stabil - was braucht man mehr? Ebenfalls im Angebot: Maraeroa, ein 120 000 Quadratmeter großes "Inseljuwel" in Französisch-Polynesien. Der Kaufpreis hier: 999 000 Euro (plus Makler-Courtage, minus Rösterei-Rabatt). Auch die irische Crebarrin Island ist im Shop erhältlich (600 000 Euro inklusive zweistöckigem Steinhaus und Generatorgebäude) sowie die gleich drei Seeinseln umfassende finnische Inselgruppe Anukkasaari (341 000 Euro, samt Sauna).

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Sollte man sich derlei wirklich beim Kaffeeröster bestellen?

Fünf Wochen lang werden sieben Inseln bei, jawoll, Tchibo online im Angebot sein. Von dem Interesse, das sie schon jetzt entfachen, profitiert auch Kooperationspartner Farhad Vladi, Traditions-Inselhändler aus Hamburg. Vladis Agentur will in den vergangenen vier Jahrzehnten bereits für 2650 Inseln Käufer gefunden haben. Große Namen fallen: Johnny Depp, Céline Dion, Tony Curtis und Henryk Sienkiewicz, der auf Costaérès seinen Roman "Quo Vadis" verfasst hat. Diese Insel gehört jetzt Didi Hallervorden.

Auf dem Zwischenstopp von Kanada nach Deutschland meldet sich Vladi, Kaufmann mit kaukasischen Wurzeln. Neun von zehn Inseln weltweit seien in Staatsbesitz, erzählt er, der Rest werde privat feilgeboten oder vermietet.

Wäre ein großer Insel-Ausverkauf nicht gar die Lösung für das geplagte Griechenland? Ganz schlecht, meint Vladi, im Privatleben Herr über das Eiland Forsyth Island, Neuseeland. Als ausländischer Käufer brauche man dort mehr als 30 behördliche Genehmigungen. Dafür reiche manchmal ein ganzes Menschenleben nicht aus. Allein der Emir von Katar besitze eine griechische Insel, dank der Milliardensumme, die er zusätzlich spendierte. Da habe der Tischler aus Köln das bessere Los gezogen, als er sich für eine Billig-Insel vor Nova Scotia entschied, meint Vladi. Sein Blockhaus sei schon fast fertig.

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Doch man weiß aus der Literatur, dass Inseln vom Ort der Seligen (Hesiod) oder des Zauberhaften (Insel der Kirke bei Homer) auch recht schnell ihren Bewohnern zur Hölle werden können (Der Sturm, Shakespeare). Sollte man sich derlei wirklich beim Kaffeeröster bestellen? Wichtig ist: Die Insel sollte im Grundbuch eingetragen sein. Eine Baugenehmigung wäre sinnvoll. Einen Inselkauf unterscheidet damit fast nichts vom Kauf eines Grundstücks im Neubaugebiet. Weitere Details regeln örtliche Gesetze.

Für Vladi jedenfalls ist der Inselhandel - auch ohne Röster - eine Herzensangelegenheit. Einen vergleichbaren Spaß könne er sich nur beim Verkauf von Lakritzen vorstellen, sagt er mit Blick auf seinen Vater, der als Geschäftsmann zudem Pistazien, Aprikosen und Trockenobst im Angebot hatte. Alles Dinge, die man im Gegensatz zu Steuersoftware-CDs, Schmutzradierern und Gewichtsmanschetten derzeit übrigens nicht beim Kaffeeröster bestellen kann. Und das ist schon komisch bei all den Glücksgefühlen, die auch sie gelegentlich auslösen.

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