Von Peter Burghardt

Eine wundersame Geschichte mit lauter Gewinnern: Warum Argentinien einen Taxifahrer feiert, der in seinem Wagen 26.000 Euro gefunden hat.

Argentinische Taxifahrer sind ausgezeichnete Unterhalter. Besonders die Chauffeure in Buenos Aires erzählen in der Regel inbrünstig von Gott und der Welt. Vielleicht fand vor zwei Wochen eines dieser Grundsatzgespräche statt bei der Fahrt durch die Provinzhauptstadt La Plata, 70 Kilometer von der Metropole entfernt.

Bild vergrößern

Ein ehrlicher Mensch: Taxifahrer Santiago Gori wird von den Argentiniern gefeiert. (© screenshot: sueddeutsche.de)

Anzeige

Womöglich ließen die Fahrgäste vor lauter Reden ihr wertvolles Gepäck liegen. Jedenfalls fand Taxifahrer Santiago Gori auf dem Rücksitz einen Rucksack mit 130.000 Pesos, umgerechnet 26.000 Euro, nachdem er seine Gäste abgeladen hatte. Es begann eine wunderbare Geschichte mit lauter Gewinnern.

Gori überlegte. Was tun? Er dachte an seinen Kredit für das Auto, an seine Frau, an die Kinder. Dann machte er die Besitzer des Geldes ausfindig und brachte den Fund zurück. Er wolle "ruhig schlafen", erläuterte Gori. Solche Ehrlichkeit ist auch in Argentinien erstens nicht selbstverständlich und hat zweitens sogar per Gesetz einen Finderlohn zur Folge; doch zunächst sah der Entdecker keinen Centavo.

Sammeln für die gute Tat

Dann kamen zwei einfallsreiche Geister der Werbeagentur Publicis Graffiti auf eine Idee. Ezequiel de Luca und Nicolás Diaco hatten von der guten Tat in einer Zeitung gelesen und entwarfen für den Taxler die Website www.devolvelelaguitaaltaxista.com, zu Deutsch: Gib' dem Taxifahrer die Kohle zurück. Ihr Ziel ist es, genau so viel für Santiago Gori zu sammeln, wie er im Fonds seines Wagens gefunden hatte.

Auf der Internet-Seite können Spender seit einigen Tagen alle möglichen Geschenke eintragen. Es soll nur kein Bargeld sein, sondern Sachwerte oder symbolische Dinge. Das Projekt wurde ein sensationeller Erfolg. Manche schicken bloß Glückwünsche: "Eine große Umarmung und Küsse" - "Danke, Mensch" - "Leute wie dich müsste es mehr geben, du bist großartig". Oder eben Präsente.

Eine Entkrampfungsmassage von Silvia und Jorge, 70 Pesos. Zwei Eintrittskarten für den Fußballklub Gimnasio de La Plata von Bruno, 60 Pesos. Ein PC-Kurs von Mauro, 250 Pesos. Soliden Zahnersatz von José María, 700 Pesos. Ein Tattoo von Sebastián, 800 Pesos. Eine Website von Fernando, 1700 Pesos. Zwei Flaschen Rotwein von Gabriel, 100 Pesos. Diverse Grillabende und Gebete bei der Jungfrau von Luján, ein Abendessen in Barcelona und so weiter. Der angegebene Wert summiert sich auf einem Taxameter - am Wochenende waren bereits mehr als 100.000 Pesos erreicht.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Seelenforscherin

"Es gibt keine bösen Menschen" – Gutachterin Hanna Ziegert entscheidet, ob Verbrecher im Gefängnis oder in der Psychiatrie landen. Ein Job-Porträt Jetzt lesen ...

(SZ vom 11.05.2009/hai)