Tatverdächtige in Köln Die Chancen, als Marokkaner Asyl zu bekommen, sind gleich null

Gleichzeitig ist Nordrhein-Westfalen ein Bundesland, in dem Nordafrikaner seit Jahrzehnten gut integriert leben. Es ist bereits seit den 60er-Jahren das Hauptziel von Einwanderern aus Nordafrika, da damals Gastarbeiter für die Autoindustrie und den Bergbau in der Region angeworben wurden. "Diese Deutsch-Marokkaner sind extrem gut integriert", berichtet Charchira. Sie hätten mit die höchste Einbürgerungsquote, der Anteil der Abiturienten steige stetig und es gebe viele gemischte Partnerschaften.

Doch die Situation der neu angekommenen Jugendlichen sei anders. Viele von ihnen kommen gar nicht direkt aus Marokko, sondern über andere EU-Staaten wie Italien und Spanien, wo sie sich bereits eine Zeitlang durchgeschlagen hätten. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag und Bundesvorsitzende der Partei, Christian Lindner, wirft der Landesregierung vor, dieser Gruppe keine Integrationsangebote gemacht zu haben. "Es handelt sich um einen besonderen Personenkreis alleinreisender Männer", sagt er. "Um die muss man sich doch kümmern."

Deutschland rüstet auf

Die Übergriffe von Köln wirken nach: Bürgerwehren formieren sich, Pfefferspray ist ein Verkaufsschlager - aber keine Lösung des Problems. Von Felicitas Kock mehr ...

Dabei sind die Chancen, als Marokkaner Asyl zu bekommen, gleich null. Deutsche, die in Marokko leben, erzählen davon, wie sich die Fluchtwilligen dort vorbereiten: Ziel sei es, in Deutschland einigermaßen glaubwürdig einen Syrer darstellen zu können. Angebliche Fluchtrouten aus dem Bürgerkriegsland werden auswendig gelernt, der arabische Dialekt eingeübt, den man in Syrien spricht. Kürzlich kursierte ein Video im Internet, in dem zwei Jugendliche aus Marokko die syrische Nationalhymne üben. Charchira zufolge seien dies vor allem einzelne Jugendliche, von organisierten Strukturen könne man nicht sprechen.

Sie sollen nicht mit leeren Händen zurückkehren

Für die Jugendlichen geht es dann mit dem Flieger in die Türkei, wo Marokkaner für 90 Tage ohne Visum einreisen dürfen. Dort mischen sich die Marokkaner unter die Flüchtlinge, die tatsächlich aus Syrien kommen. In Deutschland kommen sie dann ohne Pässe an, aber mit einer syrischen Legende, die nicht immer leicht zu erkennen ist. Dolmetscher, die den falschen Dialekt erkennen könnten, würden von bereits hier lebenden Kriminellen bedroht, berichtet ein Insider aus Düsseldorf.

Wenn sie irgendwann einmal enttarnt werden, ist eine Abschiebung oft schwierig. Nach Angaben von Innenminister Ralf Jäger dauert es viele Monate, bis die Nordafrikaner überhaupt einen Asylantrag stellen können, für den die Bearbeitungszeit dann im Schnitt 14,7 Monate beträgt. Weitere zwei bis drei Jahre können durch Einsprüche vor den Gerichten vergehen. Auch endgültig abgelehnte Asylbewerber können dann oft nicht abgeschoben werden, weil die marokkanische Botschaft nicht gerade kooperativ ist beim Ausstellen von Ersatzpässen. Die Überweisungen aus Deutschland sind ein Wirtschaftsfaktor in Marokko.

So sind den Jugendlichen im besten Fall einige Jahre Deutschland sicher, und der Druck sei groß, dass sie danach nicht mit leeren Händen in ihre Heimat zurückkehren, berichtet Charchira. "Sie wissen, dass sie früher oder später gehen müssen - vorher wollen sie möglichst viel Geld zusammenbekommen." So würden viele der illegal Eingereisten kriminell, begännen zu stehlen. "Die ersten Opfer sind die maghrebinischen Communities in Deutschland, wo die Jugendlichen zuerst Schutz suchten", sagt der Sozialpädagoge. Marokkanische Ladenbesitzer, die zuerst um Essen oder einen Schlafplatz angeschnorrt wurden, würden bestohlen. Dann erst zögen die Neuankömmlinge weiter in andere Stadtteile.