Tarcisio Bertone Italienischer Kardinal bezieht Luxuswohnung im Vatikan

Kardinal Bertone bei einer Messe im Petersdom: Er will eine riesige Wohnung im Vatikan beziehen.

(Foto: REUTERS)

Der Papst fordert eine "arme Kirche", doch Franziskus findet offenbar nicht bei allen Geistlichen Gehör. Der italienische Kardinal Bertone will einem Medienbericht zufolge eine riesige Luxuswohnung im Vatikan beziehen. Sie wäre zehnmal größer als die Gemächer des Papstes.

600 Quadratmeter soll die Luxuswohnung im Vatikan groß sein, die sich der italienische Kardinal Tarcisio Bertone laut einem Medienbericht herrichten lässt. Die neue Unterkunft will der frühere Kardinalstaatssekretär nach umfangreichen Umbauarbeiten noch im Sommer beziehen, wie die italienische Zeitung La Repubblica am Sonntag meldete. Papst Franziskus' Forderung nach einer "armen Kirche" findet bei Bretone offenbar kein Gehör.

Bertones Wohnung, die über eine 100 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen soll, ist dem Bericht zufolge zehnmal größer als die Gemächer des Papstes. Der für seine bescheidende Lebensweise bekannte Pontifex wohnt anders als seine Vorgänger im vatikanischen Gästehaus und nicht im Apostolischen Palast.

Bertone wurde im Oktober vom Papst seines Amtes enthoben. Seine Kritiker hatten ihm einen autoritären Führungsstil und zu enge Beziehungen zur Politik vorgeworfen. Der Kardinal witterte hingegen eine Verschwörung. Er sei ein Opfer von "Maulwürfen und Schlangen" im Vatikan geworden, sagte er damals.

"Einfaches und demütiges Herz"

Franziskus tritt seit seinem Amtsantritt im März 2013 mit Nachdruck für eine Reform des Vatikans ein und fordert eine "arme Kirche für die Armen". Den im Januar bestimmten Kardinälen gab er mit auf den Weg, sie sollten "Weltlichkeit" und Partys meiden und ein "einfaches und demütiges Herz" behalten.

Ende März hatte der Papst das Rücktrittsgesuch des bereits seit Oktober suspendierten Bischofs Tebartz-van Elst angenommen, der wegen der explodierenden Kosten für den Umbau und die Renovierung des Bischofssitzes im Limburg in die Kritik geraten war. Laut einem kircheninternen Prüfbericht soll der Bischof persönlich zahlreiche der kostspieligen Änderungen angeordnet haben, die die Baukosten letztlich auf 31,5 Millionen Euro getrieben hatten.