Die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ließ ihren Liebhaber und Erpresser Helg Sgarbi auffliegen. Heute beginnt in München der Prozess.
Ein Mann und eine verheiratete Frau treffen sich heimlich und regelmäßig. Normalerweise interessiert das niemanden, außer ihre betrogenen Ehepartner und später vielleicht den Scheidungsrichter. Bei jener Frau aber, die sich im August 2007 in einem Hotel an der Münchner Leopoldstraße eingemietet hat, ist alles anders. Ihr Verführer dort war ein Erpresser, er wollte keine Liebe, sondern nur Geld. Sie schaltete die Polizei ein - obwohl sie wissen musste, dass ihre Affäre früher oder später von den Medien ausgeschlachtet werden würde.
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Man weiß nicht, wie Susanne Klatten, Erbin aus der Quandt-Dynastie, Ehefrau und Mutter dreier Kinder, mit der ungewollten Öffentlichkeit zurechtkommt. (© Foto: ddp)
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Denn sie ist Unternehmerin von Beruf, Großaktionärin von BMW und Altana und Deutschlands reichste Frau: Susanne Klatten. Sie gilt als eine der Diskretesten unter den Superreichen. Sie meidet rote Teppiche und erst recht die Münchner Bussi-Society, versucht ein normales Leben zu führen. Heute kennt ihr Gesicht fast jeder. Acht Wochen hat Klattens verhängnisvolle Affäre mit Helg Sgarbi gedauert, beinahe alle Details daraus wurden bekannt. Nur das Video, mit dem er sie erpresst haben soll, ist bislang nicht an die Öffentlichkeit gekommen.
Man weiß nicht, wie die Erbin aus der Quandt-Dynastie, die auch Ehefrau ist und Mutter dreier Kinder im Teenageralter, mit der ungewollten Öffentlichkeit zurechtkommt. Ihr Sprecher Jörg Appelhans sagt: "Ich werde mich nicht zu Befindlichkeiten oder Stimmungen der Frau Klatten äußern."
"Ich möchte jemanden ehrlich spüren"
Susanne Klatten selbst hat bislang nur einem Journalisten der Financial Times Deutschland, der sie für ein "normales" Porträt begleitet hat, Einblick in ihr Seelenleben gegeben. Diskret auch hier ihre Sätze, andeutend, umschreibend, aber doch vielsagend. Sie spricht vom Prinzip der Wahrhaftigkeit, Herbert Quandt, ihr Vater, habe ihr das weitergegeben. "Ich möchte jemanden ehrlich spüren und nicht betrogen werden."
Genau das geschah: Helg Sgarbi hatte ihr - wie allen seinen Opfern - erzählt, er habe ein Kind überfahren und dabei schwer verletzt; nun wolle die Mafia horrende Summen als Entschädigung. Sieben Millionen Euro gab sie ihm. "Ich habe häufig genug den Fehler gemacht, mich Menschen zu öffnen, die dieses Vertrauen nicht verdient haben. Dann wird man zum Opfer. Das ärgert einen. Das tut weh", sagte sie der Financial Times Deutschland.
Es heißt, ihr Mann Jan Klatten habe ihr verziehen. Sie hatte ihn einst als Praktikantin unter dem Tarnnamen Susanne Kant in einem BMW-Werk kennen- und lieben gelernt und ihm angeblich erst nach Monaten ihre wahre Herkunft offenbart, um sicherzugehen, dass er nicht nur hinter ihrem Geld her ist. Und er habe ihr Mut gemacht, den Weg nach vorne einzuschlagen und durchzustehen. "Es war unsere einzige Chance. Anders geht das ewig weiter. Und das hält man nicht aus", sagt Susanne Klatten.
Verhörprotokolle im Internet
Die Unternehmerin hatte ihren Erpresser in die Falle gehen lassen, indem sie sich zur Übergabe von weiteren 14 Millionen Euro verabredete. Das war Mitte Januar 2008. Es dauerte ein Dreiviertel Jahr, ehe die Öffentlichkeit davon erfuhr. Die Münchner Ermittler hielten dicht, keiner wollte der Verräter sein, und vielleicht liefe noch heute alles diskret ab, wenn nicht Sgarbis mutmaßlicher Komplize Ernano Barretta in Italien verhaftet worden wäre. Dort bleiben Ermittlungsakten oft nicht lange geheim. Und so fanden sich bald die Verhörprotokolle der Frauen, die auf Sgarbi hereingefallen waren, im Internet.
Ob Susanne Klatten nun auch im Prozess aussagen muss, ist noch offen. Sie hat über ihren Sprecher erklären lassen, dass sie dazu bereit wäre. Ihr bliebe auch nichts anderes übrig, ein vom Gericht geladener Zeuge muss erscheinen und erzählen, so will es das Gesetz, auch wenn dieser Zeuge das Opfer ist. Wenn Susanne Klatten ins Münchner Strafjustizzentrum kommt, dann darf man davon ausgehen, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird.
Dieses eine Schutzschild bleibt ihr, und ein großes Ziel: "Ich will", hat sie verraten, "gelassener werden. Ich habe mir die Aufgabe gestellt, fröhlich zu bleiben."
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(SZ vom 09.03.2009/af)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
nutzen das "Mitleid (doppelter Preis!)" mit Susanne Klatten dazu, ihr Gesicht samt zugehörender Geschichte wieder und noch einmal zu veröffentlichen.
Damit die Kasse stimmt - beidseits.
Bravo - weiter so!