Suche nach MH370 Was das Wrackteil von La Réunion offenbart

Das gefundene Wrackteil auf der französischen Überseeinsel La Réunion nährt die Hoffnung auf eine Spur zum verschwundenen Flug MH370.

(Foto: dpa)

Die Suche nach der Absturzursache könnte noch Jahre dauern.

Das Wrackteil misst nur zwei Meter, doch die Erwartungen sind groß: Nach dem Fund eines Steuerruders auf der französischen Überseeinsel La Réunion wächst die Hoffnung, es könnte Aufschluss darüber geben, was vor 16 Monaten mit Flug MH370 geschah.

Könnte das geborgene Wrackstück Hinweise auf die Absturzstelle von MH370 geben?

Experten hielten es bereits im Vorfeld für plausibel, dass das Wrackteil angesichts der Strömungsverhältnisse im Indischen Ozean bis zur Insel La Réunion treiben konnte. Nun ist es bestätigt. Seine Reise könnte daher mithilfe von Satellitenaufnahmen der Strömungen und durch Simulationen zurückverfolgt werden. Auf diese Weise wäre es möglich, die Zone der wahrscheinlichen Absturzstelle von Flug MH370 zu ermitteln. Allerdings könne diese Zone "ziemlich weitläufig" sein, weil die Strömungen turbulent verliefen, sagte Joël Sudre, Ingenieur für Meereskunde beim staatlichen französischen Forschungsinstitut CNRS, der Nachrichtenagentur AFP.

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Lässt sich durch das Wrackteil die Absturzursache rekonstruieren?

Der Zustand des gefundenen Steuerruders kann bereits erste Hinweise darauf geben, ob das dazugehörige Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen oder erst beim Aufprall auf die Wasseroberfläche beschädigt worden ist. Fotos des Wrackteils ließen vermuten, dass es offenbar in der Luft abgerissen wurde. Wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf Experten berichtete, deuten darauf vor allem die geringen Beschädigungen an der Vorderseite des Steuerruders hin. Eine gründliche Analyse des Wrackteils, das wahrscheinlich lange im Wasser trieb, könnte die eine oder andere Theorie rund um das Verschwinden von Flug MH370 entkräften.

Welche Rückschlüsse könnten noch aus dem Wrackteil gezogen werden?

Professionelle Unfallermittler können in Wrackstücken lesen wie in einem Buch. Bei den hochkomplexen Auswertungen und Analysen spielen selbst kleinste Hinweise auf den Zerstörungsgrad der Fundstücke eine große Rolle. Verrußte Stellen etwa, die auf Feuer hinweisen oder spezielle Bruchkanten und Verformungen, die auf Explosionen hindeuten, liefern wertvolle Hinweise auf die Unglücksursache.

Könnten noch weitere Wrackteile gefunden werden?

Meeresforscher halten es für möglich, dass auf Madagaskar, Mauritius oder anderen Inseln in der Gegend weitere Teile angeschwemmt werden. Der größte Teil des Flugzeugs dürfte aber in mehreren Tausend Metern Tiefe auf dem Meeresboden liegen. Andere Teile sind dagegen schwimmfähig: Ein zwei Meter langes Flügelteil zum Beispiel kann wie ein Surfboard über das Wasser gleiten.

Werden die Behörden das Hauptsuchgebiet vor die französische Insel La Réunion verlegen?

Das ist unwahrscheinlich, sagen Experten. Die Meeresströmung hat das geborgene Trümmerteil wohl über Tausende Kilometer transportiert. Dass es im Indischen Ozean, fernab der vermuteten Absturzstelle, gefunden wurde, ist nicht ungewöhnlich. Die Suche werde sich demnach weiter auf das Gebiet im südlichen Indischen Ozean, etwa 2000 Kilometer westlich der australischen Küste konzentrieren - dort also, wo sich die Spur der Maschine verlor.

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Wird das Suchgebiet vor La Réunion ausgeweitet?

Eventuell. Weil das geborgene Steuerruder tatsächlich von der vermissten Boeing 777 stammt, werden Suchteams mit Sicherheit die umliegenden Inseln absuchen, in der Hoffnung, dort weitere Wrackteile zu finden. "Allerdings würden uns weitere Flugzeugteile kaum Aufschluss über die Absturzursache liefern", sagt Geoffrey Thomas von der Fach-Webseite AirlineRatings.com.

Wird das Rätsel um MH370 jetzt schnell gelöst?

Das ist keineswegs sicher. Auch wenn der jetzige Fund der Suche kurzfristig neue Dynamik verleihen dürfte, kann es Jahre dauern, bis es weitere Fortschritte gibt. Selbst wenn sich aus der Analyse des Wrackteils und der Meeresströmungen, mit denen es fortgespült wurde, neue Berechnungen ergeben: Das Suchgebiet wird trotzdem Hunderttausende Quadratkilometer groß bleiben. Dementsprechend mühsam ist das Aufspüren des Wracks.