Wiedereröffnung des Fernsehturms Stuttgart: Angst vor dem "schiefen Turm von Schwaben"

(Foto: Lichtgut/imago)
  • An diesem Samstag wird der Stuttgarter Fernsehturm nach drei Jahren Renovierung wiedereröffnet.
  • Angeblich droht Gefahr: Die Kritiker von Stuttgart 21 haben entdeckt, dass einer der neuen Tunnel des Bahnhofs unter dem Fernsehturm hindurchläuft.
  • Jetzt schimpfen sie über die Risikobereitschaft der "Technokraten" und warnen vor einem schiefen Turm.
Von Max Hägler, Stuttgart

Das Kurioseste am Fernsehturm hoch über dem Stuttgarter Talkessel ist: Er ist gar kein Fernsehturm mehr. Mit der Umstellung auf Digital-Fernsehen hat der Südwestrundfunk das Ausstrahlen von Bildsignalen beendet. Ein bisschen analoges UKW-Radio senden sie noch von hier, etwa 500 Meter über dem tiefsten Punkt der Stadt, das war's aber auch. Er hat nicht mehr viel Funktion, wenn man es rein technisch betrachtet.

Aber der Stuttgarter Fernsehturm ist ja viel mehr als eine Versendungsanlage; der "Betonspargel", wie die Stuttgarter ihn selbst nennen, ist das einzige markante Wahrzeichen der schwäbischen Landeshauptstadt. Und wenn er nun an diesem Samstag nach drei Jahren Renovierung wiedereröffnet wird, dann natürlich standesgemäß, mit einem großen Fest, mit Buden unten und Reden oben.

Mit dem Fest sollte eigentlich eine für viele Stuttgarter schmerzhafte Zeit zu Ende gehen, aber die Geschichte des Stuttgarter Fernsehturms war schon immer für überraschende Wendungen gut. So ist das auch diesmal.

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Kritiker schimpfen über die "Risikobereitschaft werteblinder Technokraten"

Begonnen hatte alles mit der Krönung von Königin Elisabeth II. am 2. Juni 1953. Es war eine der ersten großen weltweiten Fernsehdirektübertragungen, aber sie war so schlecht zu empfangen, dass klar war: Eine bessere Antenne muss her. Der Ingenieur Fritz Leonhardt schlug vor, ein Stahlbetonbauwerk zu errichten anstelle des geplanten Metallgerüstes.

So ließ der Rundfunk, damals noch der SDR, auf dem Bopser einen der allerersten Türme dieser Dimension in dieser Bautechnik aufstellen, für 4,2 Millionen Mark. Er wurde Vorbild für ähnliche Gebäude in aller Welt - und ein wichtiger Aussichtspunkt für Schwaben und Stuttgart-Besucher.

1965 kam die Queen dann persönlich auf den Turm. Auch mancher Münchner ward schon gesichtet, sich sehnsüchtig Richtung Süden reckend, auf der Suche nach seinen Alpen. Aber selbst wenn man die Augen zusammenkneift: Die Erdkrümmung ist zu stark, der Blick reicht nur zur Schwäbischen Alb oder zum Schwarzwald, das hat auch das Landesamt für Geoinformation bestätigt, nachdem Werbeleute Alpenblick versprochen hatten. Aber auch der Albblick ist schön. Beziehungsweise: war er. Bis zu jenem Märztag 2013, an dem der gerade gewählte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) mitteilte, der Turm sei gesperrt. Denn: "Der Turm darf nicht zu einer Todesfalle werden!"