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Sturmtief "Xavier" Mit dem Taxi von Kassel nach München - für 1400 Euro

Drei umgestürzte Bäume an einer Straße bei Rautenberg im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen).

(Foto: dpa)

Endstation: Kassel-Wilhelmshöhe. So lautete für mehr als 1000 Reisende am Donnerstagabend die Ansage. Statt im eigenen, warmen Bett mussten sie im Bahnhof übernachten, in drei Hotelzügen, die die Bahn dort bereitgestellt hatte.

Sturmtief Xavier hatte im Norden und Osten Deutschlands Oberleitungen beschädigt und die Gleise unpassierbar gemacht. Zahlreiche Verbindungen fielen aus. Der Sturm deckte Häuser ab, entwurzelte Bäume. Sieben Menschen kamen ums Leben. Eine von ihnen ist die Journalistin und Politik-Expertin Sylke Tempel, 54. Die Chefredakteurin der Zeitschrift "Internationale Politik" wurde Medienberichten zufolge in Berlin-Tegel von einem umstürzenden Baum erschlagen, nachdem sie aus einem Auto gestiegen war, um blockierende Äste von der Straße zu räumen.

Inzwischen haben überall die Aufräumarbeiten begonnen - doch der Zugverkehr läuft nur schleppend wieder an.

In Kassel boten am Donnerstagabend Einheimische via Twitter den Gestrandeten einen Schlafplatz auf dem Sofa an. Für viele kam die Endstation überraschend: "Wir haben dort erst erfahren, dass der Zug hier endet. Es gab keine weiteren Durchsagen, keine Tipps, was wir tun sollten", zitiert die Hessische/Niedersächsische Allgemeine eine Reisende. Das am Bahnhof angrenzende InterCity-Hotel war schnell ausgebucht, die Taxen am Bahnhofsvorplatz fuhren nicht mehr in die Kasseler Innenstadt oder in die umliegenden Gemeinden, sondern nach Hannover oder München, berichtet die Zeitung. Kosten für die Fahrt nach Bayern: 1400 Euro.

So heftig wütet "Xavier"

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Am Freitag läuft der Zugverkehr aus Kassel zwar teilweise wieder - aber noch immer fahren die Züge mit starker Verspätung und sind überfüllt. Auf anderen Strecken verkehren noch immer keine Züge: Zwischen Berlin und Hannover sowie zwischen Berlin und Hamburg steht der Verkehr still, teilte die Deutsche Bahn mit. Auch weitere Strecken von und nach Hannover, Bremen und Hamburg bleiben gesperrt. Außerdem ist der Nahverkehr in Norddeutschland noch stark von den Unwetterschäden betroffen.

Die Bahntrassen würden derzeit mit Hubschraubern abgeflogen, um festzustellen, wo der Sturm Schäden angerichtet hat, sagte eine Sprecherin der Bahn. Überall seien fahrbare Hebebühnen unterwegs, um heruntergerissene Oberleitungen wieder instandzusetzen. Wie die Bahn am Freitagnachmittag mitteilte, muss im Fernverkehr noch bis Anfang der Woche mit Störungen gerechnet werden.

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