Von Ralf Wiegand und Wolfgang Koydl

Millionenschäden auf Helgoland, Hochwasser in Hamburg, Stillstand in den Häfen: Sturmtief "Tilo" zieht über die Nordseeküste hinweg und flutet den Norden Deutschlands.

Auf der Hallig Hooge wirft so ein Wind niemanden um. Die Tiere waren schon tags zuvor von den Weiden und Wiesen geholt und in die sicheren Ställe auf den höher gelegenen Warften gebracht worden. Um 13 Uhr hatte die Flut auf der größten Nordsee-Hallig ihren Höhepunkt erreicht, "aber etwas Spektakuläres kann ich Ihnen nicht berichten", sagte Erco Jacobsen, der in der Tourismuszentrale des etwa 70-mal im Jahr vom Wasser überspülten Eilandes arbeitet und auch auf der Hallig Hooge lebt. Die seit Tagen angekündigte schwere Sturmflut war zumindest hier weit weniger wuchtig als befürchtet.

Sturmflut; Nordsee; AP

Sturmtief "Tilo" zieht über Helgoland. Der Bürgermeister befürchtet Millionenschäden. (© Foto: ddp)

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"Wir haben einen Mini-Deich", sagte Jacobsen, "nur 1,50 Meter hoch." Im Herbst und Winter schwappt das Wasser da schnell mal drüber, am Freitag floss es sogar stetig, "bis nur noch die Warften rausschauten". Eine Warft ist ein künstlich aufgeschütteter Hügel. Einige Touristen hielten auf der Hallig Hooge aus, für sie war der Sturm ein Spektakel. "Wir sind zwar auch immer noch beeindruckt von solch einem Ereignis", sagte Erco Jacobsen, "aber es war bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet."

Schwerere Schäden meldete indes Helgoland. Dort hat das Sturmtief Tilo an der vorgelagerten Düne genagt und laut Bürgermeister Frank Botter vermutlich Hunderttausende Kubikmeter Sand mitgenommen. Botter sprach von Millionenschäden; allerdings ist hier wie auf der Insel Sylt der Verlust von Land ein alljährlich wiederkehrendes, von zunehmenden Stürmen verursachtes Phänomen. "Für die Bewohner und die Besucher der Insel bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr", sagte Tourismusdirektor Klaus Furtmeier am Freitag der SZ.

Die Menschen gingen bald wieder spazieren, "allerdings ein wenig krumm und gebückt, denn Wind haben wir schon". Der neue Tourismuschef, vor sechs Wochen aus Garmisch-Partenkirchen kommend auf der einzigen deutschen Hochseeinsel gestrandet, hat sich bei den Einheimischen erkundigt: "Demnach hat es so etwas hier seit über 25 Jahren nicht gegeben." Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz meldete teils erhebliche Abbrüche auch auf Juist, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge. Beziffern ließe sich der Schaden aber noch nicht.

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