Sturm "Herwart" Zugausfall wegen Sturmschäden: Bahn muss entschädigen

  • Drei Menschen sind durch Sturm Herwart und seine Folgen in Deutschland gestorben, mindestens sechs wurden verletzt.
  • Die Bahn bemüht sich am Montag den Zugverkehr im Norden und Osten wieder in Gang zu bringen.
  • Vom Morgen an sind wieder Züge auf den Strecken Hannover-Berlin, Berlin-Dresden sowie Münster-Norddeich unterwegs.
  • Ab etwa 14 Uhr sollen auch zwischen Hamburg und Berlin wieder Fernzüge fahren.

Gestoppte Züge, abgedeckte Häuser, umgestürzte Baugerüste, überflutete Straßen: Sturm Herwart hat in Deutschland und den Nachbarländern erhebliche Schäden verursacht. In Deutschland gab es drei Tote und mindestens sechs Verletzte. Ein Mann wird noch vermisst. Vielerorts beginnt nun das große Aufräumen.

Die Bahn bemühte sich am Montagmorgen, den Zugverkehr im Norden und Osten Deutschlands wieder in Gang zu bringen, nachdem sie den Fernverkehr in sieben Bundesländern vorübergehend eingestellt hatte. Vor allem rund um Hamburg wird es nach Angaben des Konzerns jedoch auch am Montag noch Sperrungen geben. Einzelne Züge auf den Verbindungen Berlin-Leipzig, Berlin-Halle-Erfurt, Dortmund-Hannover und Kassel-Hannover-Hamburg sollten den Betrieb aber bald wieder aufnehmen (aktuelle Informationen hier).

Sturmflut in Hamburg, Ausnahmezustand in Berlin

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Derzeit sind wieder erste Züge zwischen Hannover und Berlin, Hannover und Magdeburg, Berlin und Dresden sowie Münster und Norddeich unterwegs. Ab etwa 14 Uhr sollen auch zwischen Hamburg und Berlin wieder Fernzüge fahren. Lahmgelegt ist der Fernverkehr weiterhin auf den Strecken Hamburg-Kiel, Hamburg-Westerland, Hamburg-Lübeck-Puttgarden, Hamburg-Rostock-Stralsund sowie Berlin-Stralsund. Für Reisen zwischen Hamburg und Ruhrgebiet werden Verbindungen über Hannover empfohlen

An einem Sturm haben Bahnunternehmen zwar keine Schuld. Fallen jedoch wie nach Herwart reihenweise Züge ersatzlos aus, bekommen betroffene Fahrgäste den Ticketpreis komplett erstattet. Auch bei Sparpreis-Tickets sei das kostenlos, sagte ein Sprecher der Bahn. Hat sich ein Zug wegen des Unwetters lediglich verspätet, muss die Bahn einen Teil erstatten. 25 Prozent des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten und 50 Prozent ab 120 Minuten. Das Argument, dass ein Unwetter höhere Gewalt ist, gilt nicht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden.

Mindestens fünf Tote europaweit durch "Herwart"

Am Jadebusen in Niedersachsen wurde ein 63-Jähriger von einer Sturmflut überrascht. Der Mann hatte mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Strandbad Sehestedt in einem Kleinbus übernachten wollen. Der Bruder wurde am frühen Morgen gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der andere Mann wurde wenig später tot in der Nordsee treibend entdeckt.

Auf dem Peenestrom in Mecklenburg-Vorpommern war am Sonntag ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen gekentert. Rettungskräfte hatten zwei Bootsinsassen, eine Frau und einen Mann, in der Nähe von Wolgast zunächst bergen können. Die beiden starben jedoch im Krankenhaus. Die Suche nach einem dritten Passagier blieb nach Angaben der Beamten erfolglos.

In Tschechien wurden nach Behördenangaben am Sonntag ein Mann und eine Frau von umstürzenden Bäumen erschlagen. In Polen starb ein Autofahrer, als er mit seinem Wagen in der Nähe von Stettin in einen vom Sturm abgerissenen Ast fuhr.

Sturmflut in Hamburg, Ausnahmezustand in Berlin

In der Bundesrepublik waren der Norden und Osten besonders vom Sturm betroffen. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg und 144 Kilometern pro Stunde auf Fehmarn. In Berlin wurde am Sonntag ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume. Verletzte habe es in beiden Fällen nicht gegeben. Wegen der vielen Einsätze verhängte die Feuerwehr den Ausnahmezustand.

In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich. Auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke. Dabei verletzten sich zwei Menschen.

In Hamburg erreichte die Elbe am Sonntagvormittag vorübergehend einen Höchststand von mehr als drei Metern. Die Elbchaussee entlang des Hamburger Hafens wurde überspült und teilweise gesperrt. Auch der Hamburger Fischmarkt war überflutet. Inzwischen ist der Pegel des Flusses wieder gesunken. Im nordfriesischen Oldenswort fiel eine historische Mühle dem Sturm zum Opfer. Vor der Nordsee-Insel Langeoog ist am Sonntagabend ein Frachter auf Grund gelaufen, der bereits seit dem Morgen manövrierunfähig im Meer getrieben war. Verletzt wurde niemand.

Im Westen und Südwesten war die Sturmgefahr geringer. Ungemütlich war es trotzdem: Landesweit gab es schauerartigen und teilweise gewittrigen Regen. In Oberbayern musste die Polizei am Sonntag die Autobahn 8 auf einer Strecke von etwa acht Kilometern sperren. Bäume drohten umzustürzen. In Regen in Niederbayern kollidierte ein Zug mit einem umgestürzten Baum. Der Lokführer und der Zugbegleiter wurden verletzt, die drei Fahrgäste der Waldbahn blieben unverletzt.

Ein Airbus A380 der Lufthansa musste wegen starker Windböen außerplanmäßig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, auch weil Treibstoff knapp wurde.

225-Meter-Frachter vor Langeoog gestrandet

Die "Glory Amsterdam" ist vor der ostfriesischen Küste auf Grund gelaufen. An Bord: Fast 1800 Tonnen Schweröl. Sollte der Tanker leckschlagen, droht der Badeinsel und dem Watt eine Ölverschmutzung. mehr...