Von Jan Fredriksson

Hagelkörner in Murmelgröße, peitschende Wolkenbrüche und Schnee im Wonnemonat Mai - ist das noch normal? Eine Nachfrage beim Deutschen Wetterdienst.

Andreas Friedrich macht sich keine Illusionen: "Vergessen Sie das Freibad für diese Woche! Auch wenn es ab morgen besser wird, können wir bis auf weiteres kein Badewetter erwarten." Als Laie mag man sich über "Aprilwetter im Mai" beschweren, doch für den Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach ist es etwas komplizierter:

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"Klassisches Aprilwetter wären häufige Schauer mit etwas Sonne dazwischen und nicht solche Güsse, wie wir sie gerade erleben. Das ist schon eher eine vorgezogene Schafskälte." Die sollte normalerweise um den 11. Juni auftreten, "hält sich aber wie alle Naturphänomene nur ungern an unseren Kalender".

Ungewöhnlich ist dieses Tief natürlich in der subjektiven Wahrnehmung des armen Hausbesitzers, der seinen Keller auspumpen muss. Doch aus meteorologischer Sicht, versichert Friedrich, seien Hagel, Wolkenbrüche und Schnee im Mai ganz normal - zumindest alle paar Jahre.

83 Prozent mehr Niederschläge im Mai

Dass der Mai 2007 mit 83 Prozent mehr Niederschlägen als im Durchschnitt ein sehr feuchter Monat wird, habe auch sein Gutes: "Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass - denn der Regen gleicht die Apriltrockenheit wenigstens etwas aus, so dass Natur und Landwirtschaft aufatmen können."

Auch die Hitze der letzten Wochen, sagt der Meteorologe, sei kein Grund zur Beunruhigung: "Durch den ständigen Südwestwind kamen wir einfach eine Zeit lang in den Genuss von Mittelmeerluft, ein normaler Vorgang."

Doch sei es schon bemerkenswert, dass wir nun schon den neunten überdurchschnittlich warmen Monat in Folge erleben. Trotz der momentanen Kälte haben die Experten einen Mittelwert von 14 Grad berechnet - enorme zwei Grad mehr als im Schnitt.

Freilich sei daraus kein Rückschluss auf globale Klimaveränderungen zu ziehen, warnt Friedrich: "Die Messungen der letzten Monate passen zu der Erwärmung, die wir über hundert Jahre festgestellt haben, doch das sind nur Werte aus Deutschland, aus denen man keine Aussagen über das Weltklima konstruieren sollte."

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(sueddeutsche.de)