Streit um Videoaufnahmen Deutscher stirbt nach Faustschlag

  • Im andalusischen Sotogrande versetzt ein britischer Familienvater einem Deutschen einen Faustschlag. Dieser fällt daraufhin zu Boden und stirbt.
  • Zwischen den Männern war es zum Streit gekommen, weil der Deutsche die minderjährige Tochter des Briten gefilmt hatte.
  • Gegen den Deutschen lief ein Verfahren wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material.
Von Thomas Urban, Madrid

Es gibt Geschichten, in denen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Wie in dieser hier: der Geschichte eines tödlichen Faustschlags.

In einem Restaurant am Yachthafen von Sotogrande in Südspanien bemerkt ein 40-jähriger Familienvater, wie ein anderer Gast vom Nachbartisch aus seine minderjährige Tochter mit seinem Tablet filmt. Ein Streit bricht aus, und am Schluss liegt der Hobbyfilmer schwer verletzt und blutüberströmt am Boden. Im Krankenhaus stirbt er. Der Tote ist ein 43-jähriger Deutscher, wie die spanische Polizei bekannt gab, gegen ihn lief ein Verfahren wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material. Der schlagende Vater ist ein 40-jähriger Brite indischer Herkunft, er befindet sich nun wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft.

Die beiden waren die letzten Gäste im Lokal

Die Geschichte passt nicht gerade zu dem Ort, an dem sie sich zutrug. Sotogrande, gelegen am Westende der spanischen Mittelmeerküste rund 20 Kilometer nördlich von Gibraltar, gehört zu den exklusiven Urlaubsorten an der Costa del Sol. Der Ort ist bekannt für seine Golfplätze (die wegen des hohen Wasserverbrauchs das Ökosystem auf dem Campo de Gibraltar schädigen) und seine prächtigen Villen mit Blick auf den Felsen von Gibraltar, die besonders bei reichen Russen, Arabern und Chinesen begehrt sind. Im Winter leben allerdings nur rund 3000 Personen in dem Ort, im Sommer sind es fünfmal so viel. Schlägereien in Gaststätten sind die Ausnahme, das wohlhabende Publikum ist eher dezent.

Der Streit um die Filmaufnahmen spielte sich in der Nacht zum Sonntag gegen Mitternacht ab. In dem Restaurant waren nur noch die beiden Tische mit den Akteuren besetzt, wie der Kellner und der Koch den lokalen Medien berichteten. Demnach hat der Familienvater, ein Computerexperte, zunächst durchaus beherrscht reagiert, als er das Filmen bemerkte. Er habe den Deutschen zwar energisch, aber ohne jegliche Beleidigungen aufgefordert, das Filmen zu unterlassen. Dieser aber habe diese Aufforderung ignoriert und provozierend weiter gefilmt. Daraufhin sei der Vater aufgestanden und habe dem Mann das Tablet entrissen.

Nachdem er sich überzeugt hatte, dass sich auf diesem tatsächlich Aufnahmen seiner Tochter befinden, habe er das Gerät auf den Boden geschmettert. Als der Deutsche ihm in den Arm fallen wollte, habe er ihn mit Fäusten traktiert und ihm dabei einen heftigen Schlag an den Kopf versetzt. Der Mann stürzte zu Boden.

Kinderpornografisches Material bei Deutschem gefunden

Nach Angaben der Polizei ist bislang allerdings nicht klar, ob der Schlag oder der Sturz tödlich war. Auch ist die Auswertung der Überwachungskamera, die im Restaurant angebracht ist, bislang nicht abgeschlossen. Gegen den Briten spricht nach Aussagen der Zeugen, dass er sich nicht um den blutenden Mann am Boden gekümmert habe, stattdessen, so heißt es, habe er mit seiner Familie das Restaurant verlassen.

Beide Gäste waren dem Personal bekannt. Der Deutsche war Stammgast, er lebte seit fünf Jahren allein in dem Ort, zudem hatte er nach Aussagen des Kellners ein Alkoholproblem. Außerdem habe sich herumgesprochen, dass Anfang Januar die Polizei in seinem Haus kinderpornografisches Material gefunden und ihn vorübergehend festgenommen hatte.

Die Frage wird nun auch sein, ob der britische Familienvater von der Aktion der Polizei gegen den Deutschen wusste - und ihren Hintergrund kannte. Eine Sprecherin der Polizei jedenfalls schließt das nicht aus.