Streit um Schwaben in Berlin Maultaschen-Mauer für Schwabylon

Berliner Schwaben wehren sich jetzt auch mit Maultaschen.

(Foto: dpa)

Erst Spätzle auf dem Haupt von Käthe Kollwitz, jetzt eine Maultaschenmauer mitten in Prenzlauer Berg: Im Streit um die Gentrifizierung des Bezirks und den vermeintlichen Untergang der Berliner Kultur greifen die Schwaben einmal mehr zur Teigware.

"Der Himmel über Berlin wird geteilt sein: in schwäbische Luft und Berliner Luft", heißt es auf der satirischen Internetseite der Gruppe "Free Schwabylon". Um die angestrebte Teilung umzusetzen, haben die selbsternannten Retter der Berliner Schwaben auf eine altbewährte Methode zurückgegriffen: den Mauerbau. Statt auf Steine und Stacheldraht setzten sie jedoch bewusst heimatverbunden auf Maultaschen.

"Schwäbische Mönche haben, so heißt es, Maultaschen während der Fastenzeit erfunden, um Fleisch vor dem Zorn Gottes zu verhüllen. Wir benutzen sie, um das schwäbische Wohngebiet vor dem Zorn der Berliner zu verhüllen", erklären die Aktivisten auf ihre Aktion, bei der sie an verschiedenen Orten in Prenzlauer Berg geringe Mengen der schwäbischen Teigwaren aufhäuften.

Los ging es mit der Spaß-Guerilla bereits Mitte Januar, nachdem Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse die Diskussion um die Berliner Schwaben in einem Interview erneut angefacht hatte. Bereits seit mehreren Jahren kommt immer wieder der Vorwurf auf, Zugezogene würden die Berliner Kultur zerstören und erheblich zur Gentrifizierung des Bezirks Prenzlauer Berg beitragen.

Nach Thierses Äußerung begann die Gruppe "Free Schwabylon", sich mit einer Spätzleattacke zu wehren. Ziel des Angriffs war eine Bronzestatue der Bildhauerin Käthe Kollwitz, über deren Kopf die schwäbische Leibspeise verteilt wurde. Ihre Ankündigung, das gesamte Stadtviertel mit einer zentimeterdicken Spätzleschicht zu überziehen, machte die Gruppe bislang nicht wahr.

Beliebter machen werden sich die Schwaben durch ihre Aktionen kaum, doch ist das Ziel laut "Free Schwabylon" auch nicht die Integration, sondern die Abgrenzung einer schwäbischen Enklave mit eigener Bezirksverwaltung.