Streit in städtischer Kita in Lüneburg Eltern wollen rechter Erzieherin ihre Kinder nicht anvertrauen

Eine mutmaßliche Rechtsextremistin soll in Lüneburg künftig wieder Kinder an einer städtischen Kita erziehen. Nun greift eine Elterninitiative zum letzten Mittel.

Von Antonie Rietzschel

Eltern gegen Erzieherin - seit zwei Jahren kämpfen in der niedersächsischen Stadt Lüneburg Mütter und Väter dagegen, dass ihre Kinder von einer mutmaßlichen Rechtsextremistin erzogen werden. Die erste Auseinandersetzung haben sie verloren. Vor dem Arbeitsgericht klagte die Erzieherin im Oktober 2012 erfolgreich gegen ihre Versetzung. Künftig soll sie wieder in einer städischen Kindertagesstätte arbeiten.

Nun greifen die Eltern zum letzten Mittel: "Wir haben heute die Kündigungsandrohungen für 51 von 63 Kindern der Stadt übergeben", sagte ein Sprecher der Elterninitiative der Kita der Nachrichtenagentur dpa. Die Eltern wollten der Frau ihre Kinder nicht anvertrauen. Ein Pressesprecher der Kommune bestätigte Süddeutsche.de den Eingang eines Briefes, konnte aber nichts über die genaue Anzahl der angedrohten Abmeldungen sagen. "Wir können die Haltung der Eltern nachvollziehen", sagte der Sprecher. Gegen die Entscheidung des Arbeitsgerichtes könne man nichts machen. Die Kindertagesstätte wollte sich nicht äußern.

2010 hatte die Berliner Tageszeitung die rechtsextremen Aktivitäten der Erzieherin öffentlich gemacht. Sie sei bei Festen der NPD aktiv, habe jahrelang eine kleine nationale Frauengruppe geführt und ihre eigenen Kinder bis zum Verbot zur "Heimattreuen Deutschen Jugend" geschickt. Die taz machte ihren Arbeitgeber, die Kita am Marienplatz darauf aufmerksam. Dort wusste man nichts von der politischen Gesinnung der Mitarbeiterin. Die Stadt stellte sie sofort vom Dienst frei.

Gezielte Unterwanderung

Seitdem gab es immer wieder Hintergrundgespräche zwischen den Eltern und der Stadt. Nach der Entscheidung des Arbeitsgerichts gab es der taz zufolge Anfang März eine Runde, an der auch die mutmaßliche Rechtsextremistin beteiligt war. Dabei wurden die Eltern auf die Rückkehr der Erzieherin vorbereitet. Ein Vater sagte der Zeitung, dass sie die Vorwürfe nicht abgestritten, diese aber heruntergespielt habe. "Sie sagte, ihr Mann wäre nur aus finanziellen Gründen bei der NPD", wird der Vater zitiert.

Rechtsextreme Frauen, die sich der Kinderbetreuung widmen - Experten wie die Journalisten Andreas Speit und Andrea Röpke sehen darin ein Kalkül der rechten Szene. In ihrem Buch "Mädelsache! Frauen in der Neonazi-Szene" beschreiben sie, wie Rechtsextremistinnen gezielt versuchen, Eltern durch ihr engagiertes Auftreten für sich zu gewinnen - indem sie zum Beispiel Kinderturngruppen oder gemeinsame Ausflüge organisieren.

Nach und nach geben diese Frauen den Autoren zufolge auch ihre politische Gesinnung preis und hoffen auf den "so schlimm sind die ja gar nicht"-Effekt. Das NPD-Blatt Deutsche Stimme rief 2010 sogar seine Leser dazu auf, gezielt pädagogische Berufe zu ergreifen. Für den Erzieher gelte es, "Jungen und Mädchen zu gemeinschaftsgebundenen Persönlichkeiten heranzuziehen", schreibt die Autorin.