Stiftung für Aufbau des Kölner Stadtarchivs Spendensammler, die vor allem Geld ausgeben

Kaum ein Kölner ist bereit, der Stiftung Stadtgedächtnis eine Kaffeetasse abzukaufen. Die Bürger misstrauen der Initiative zum Wiederaufbau des Stadtarchivs. Aus gutem Grund.

Von Bernd Dörries

Zwei Menschen kamen beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009 ums Leben. Daneben wurden Tonnen wertvoller Dokumente schwer beschädigt - deren Restaurierung wird wohl noch Jahre dauern.

(Foto: dpa)

Wenn die Tage dunkler werden und es auf Weihnachten zugeht, beginnt die Spendensaison. Die Menschen wollen helfen, vielleicht auch ihr Gewissen erleichtern. Man kann für alles Mögliche spenden, für Kinder in Afrika. Für Tiere, von denen man bisher gar nichts wusste. Oder für das Historische Archiv der Stadt Köln, das im März 2009 eingestürzt ist. Die ganze Bandbreite der Spenden ist dort möglich - man kann der Stiftung Stadtgedächtnis sein Erbe vermachen oder eine Kaffeetasse kaufen. Das Problem nur ist, es tut kaum einer.

Eine Million Euro pro Monat hat Stiftungsgeschäftsführer Stefan Lafaire versprochen, geworden sind es wohl nicht mehr als 50.000 Euro im Jahr 2012. Die Restaurierung der Archivakten soll in den kommenden 50 Jahren bis zu 400 Millionen Euro kosten, die Stiftung einen großen Teil zahlen. "Das ist eine völlige Illusion. Aber ein Alternativkonzept gibt es nicht", sagt Thor Zimmermann von der Wählergruppe Deine Freunde.

Die Stiftung hat bisher vor allem dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass sie mehr Geld verbraucht, als sie Spenden oder Zinsen einnimmt, etwa eine halbe Millionen Euro sollen 2012 für Gehälter, Mieten und den Internet-Auftritt ausgegeben worden sein. Wenn sie so weiter macht, ist sie in wenigen Jahren pleite. Ihr Wirken ist in Köln bisher fast unbekannt. Am Mittwoch lud sie zum ersten Mal zu einer Veranstaltung, einem nebulösen "Charitydinner mit Multiplikatoren".

"Da wurde viel verschlafen"

Als das Archiv vor fast vier Jahren einstürzte und 33 Kilometer Akten im Wasser versanken, da war der Wille zu helfen groß. Nur brauchte man in Köln sehr lange, auch die richtige Form dafür zu finden. "Da wurde viel verschlafen", sagt FDP-Fraktionschef Ralph Sterck.

In Weimar organisierte man nach dem Brand der Anna Amalia Bibliothek eine große Spendengala. In Köln war nach dem U-Bahn-Einsturz der Hass der Bürger auf ihre Stadtspitze so groß, dass entschieden wurde, die Stiftung außerhalb des städtischen Apparates anzusiedeln. Mittlerweile liegt die Stiftung so weit außerhalb politischer Kontrolle, dass die Ratsmitglieder nicht einmal wissen, wie viel gespendet und ausgegeben wurde. Und die Stiftung will auch nichts verraten.

Dabei hat die Stadt doch den Großteil des Startkapitals von 7,2 Millionen Euro bezahlt. "Wer spendet denn gerne für eine Stiftung, wenn das Geld nur für Gehälter ausgegeben wird?", sagt Sterck. Also mal wieder der alte Kölsche Klüngel? Stiftungs-Geschäftsführer Stefan Lafaire verteidigt seine Arbeit. "Die Strategie ist langfristig ausgerichtet. Das erste Jahr diente dazu, ein Konzept zu gestalten und Feedback von den Bürgern zu bekommen."

Die Kölner sind des Unglücks aber müde geworden. Die Aufklärung wird sich noch viele Jahre hinziehen, an der Unglücksstelle wird gerade ein Besichtigungsbergwerk gebaut, ein Stollen zum Tunnel, um Beweise zu sammeln für die Unglücksursache.

Die U-Bahn selbst wird frühestens 2019 in voller Länge fahren. Mindestens eine Milliarde Euro wird die Stadt das Unglück dann gekostet haben. Vom kommenden Jahr an soll dann auch das Spendengeld fließen, verspricht Geschäftsführer Stefan Lafaire. Auf eine Summe möchte er sich aber nicht mehr festlegen.