Sterbehelfer Roger Kusch "Es kann nur bergab gehen"

Der umstrittene Sterbehelfer Roger Kusch hat am Mittwoch erneut einem Menschen beim Sterben geholfen. Das geht aus der Internetseite des früheren Hamburger Justizsenators hervor.

Von Ulrike Bretz

Der frühere Hamburger Justizsenarot Roger Kusch hat offenbar am Mittwoch erneut einem Menschen beim Suizid geholfen. Auf seiner Internetseite suizidbegleitung.de ist ein Videofilm zu sehen, in dem ein 95-jähriger Mann erklärt, warum er freiwillig aus dem Leben scheiden möchte. Überschrieben ist der Film mit dem Namen des Mannes und seinem Todesdatum, dem 12. November 2008.

Auch ein handgeschriebener Lebenslauf des 1913 geborenen Mannes ist auf der Seite veröffentlicht. Am Ende des Schreibens ist nachträglich der erste Kontakt mit Kusch dokumentiert. Demnach hat der Verstorbene im April schriftlichen Kontakt mit Kusch aufgenommen.

Ende Oktober soll es zu einer "psychiatrischen Begutachtung" in Bad Hersfeld gekommen sein. Am 12. November habe in Frankfurt am Main der Suizid stattgefunden, "begleitet von Jacqueline Jencquel und Dr. Roger Kusch".

In dem Film, der auch auf der Internetplattform Youtube zu sehen ist, spricht Jencquel, Mitarbeiterin einer französischen Sterbehilfeorganisation, mit dem Rentner. Demnach lebte der Mann mit seiner an Alzheimer erkrankten Ehefrau in einem Altenheim.

Seine Entscheidung, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, begründet der Mann damit, dass er es nicht soweit kommen lassen wolle, pflegebedürftig zu werden: "Es kann nur bergab gehen", so der 95-Jährige in dem Video. Er lasse seine Frau alleine im Heim zurück, da er sie gut versorgt wisse. Trotzdem habe er ein schlechtes Gewissen, weil er sich "aus dem Staube mache".

Zuletzt war der umstrittene Sterbehelfer Anfang Oktober in den Schlagzeilen, weil er einer 84-jährigen Rentnerin in Hamburg beim Selbstmord geholfen hatte. Vier Monate zuvor begleitete er eine 79-Jährige in Würzburg beim Sterben.

Kusch, der von 2001 bis 2006 Justizsenator in Hamburg war, galt bereits während seiner Amtszeit als umstritten. Er trat nach seinem Austritt aus der CDU mit seiner eigenen Partei erfolglos bei der Bürgerschaftswahl 2008 an.