Von Von Thomas Bührke

US-Raumsonde erforscht erstmals den Schweif eines Kometen: Für die Forscher ist der Flug eine Art Reise in die ferne Vergangenheit, die Einblick in die Entstehung des Sonnensystems geben soll.

Es gibt einfachere und billigere Methoden, Staub aufzufegen, als jahrelang durchs All zu fliegen und dabei gut drei Milliarden Kilometer zurückzulegen. Wenn man aber ein Gramm Kometenstaub in den Händen halten will, muss das schon 200 Millionen Dollar wert sein. So viel hat die amerikanische Weltraumbehörde Nasa für ihre Raumsonde Stardust (Sternenstaub) ausgegeben. Sie durchquert am heutigen Freitag - 390 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - den Schweif des Kometen Wild 2 und fängt Tausende kleinster Partikel ein. Für die Forscher ist der Flug eine Art Reise in die ferne Vergangenheit, die Einblick in die Entstehung des Sonnensystems geben soll.

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Archive des Sonnensystems

Anders als Erd- oder Mondgestein ist das Material der Kometen seit 4,6 Milliarden Jahren fast unverändert geblieben. Denn Kometen gelten als Archive, in denen die Materie aus der Entstehungsphase des Sonnensystems in ihrem Urzustand tiefgefroren erhalten bleibt. Auf den Planeten wie der Erde dagegen haben Vulkanismus, Wind und Wetter sowie das menschliche und tierische Leben alle Spuren verwischt und chemische Verbindungen verändert. Die amerikanische Sonde bringt also einen Teil des Urnebels zur Erde.

Auf langer Reise

Stardust ist bereits seit Februar 1999 unterwegs. Die fünf Meter lange und 350 Kilogramm schwere Sonde musste zweimal die Sonne umrunden und einmal im Schwerefeld der Erde Schwung holen, um den Kometen einholen zu können. Den genauen Kurs für das heutige Rendezvous konnten die Manager des Projekts auch erst vor sechs Wochen festlegen, nachdem Stardust ein lichtschwaches Foto seines Zielobjekts zur Erde gefunkt hatte. Am heutigen Freitag nun soll Stardust in 300 Kilometern Abstand an dem Brocken aus Eis und Gestein vorbei fliegen. Der Komet Wild 2 hat einen Durchmesser von etwa fünf Kilometer, sein Schweif allerdings zieht sich Millionen von Kilometer in die Länge.

Die amerikanische Sonde wird bald nach der Begegnung im All Daten zur Erde funken. Darunter sollen Bilder des Kometen sein, die Details von der Größe eines Einfamilienhauses zeigen. Außerdem wird ein Messinstrument, das am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching gebaut wurde, die Geschwindigkeit und chemische Zusammensetzung von Staubteilchen analysieren. Schon während des Fluges war es dem Team von Franz Krüger und Jochen Kissel damit gelungen, überraschend große und kohlenstoffreiche Riesenmoleküle zu messen, die von fernen Sternen kommend in unser Sonnensystem eingedrungen sind.

Jahrelange Heimreise

Spektakulär aber ist das Einsammeln der feinen Partikel von Kometenstaub, die mit etwa 20.000 Kilometern pro Stunde auf das Raumschiff einprasseln. Die Sonde wird einen Staubfänger ausfahren, der wie ein überdimensionaler Tennisschläger aussieht und einige tausend Partikel einfangen soll. Anschließend beginnt die Stardust ihre lange Heimreise. Die Rückkehr der Sonde ist für Anfang 2006 geplant, auf einem Testgelände der US-Airforce in Utah. Für die Initiatoren des Unternehmens, Donald Brownlee von der Universität in Seattle und Nasa-Forscher Peter Tsou, geht dann ein Traum in Erfüllung. Denn noch nie haben Forscher unverändertes Urgestein in den Händen gehalten. Der Flug zu Wild 2 bietet nun die Chance dazu.

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(SZ vom 02.01.2004)