Sprache Punkt. Schluss. Aus.

Eigentlich wollte Frankreich sich um gendergerechtere Sprache bemühen. Und jetzt? Wird Französisch wieder männlicher.

Von Thilo Adam

Im September erschien das erste französische Schulbuch, das mit Punkten zwischen den Endsilben darauf hinweisen will, dass sowohl Männer als auch Frauen gemeint sind. Aus Abgeordneten werden "les député·e·s", aus Wählern "les électeur·ice·s". Das war dem französischen Premierminister Édouard Philippe zu revolutionär. Ende November wies er seine Beamten an, auf geschlechterneutrale Formulierungen künftig zu verzichten. Wieder mal gehen Frankreich und Deutschland unterschiedliche Wege. Hierzulande kämpfen nicht nur Feministinnen, sondern auch Behörden und Universitäten darum, unserer Sprache im Sinne der Gleichbehandlung die Männlichkeit auszutreiben. Um dabei auch jene zu berücksichtigen, die sich keinem Geschlecht zuordnen möchten, wird mit Sternchen (Schüler*innen) und Unterstrich (Raucher_innen) experimentiert. Nicht so in Frankreich, wo man sicher auch mit dem Binnen-I (HörerInnen) so seine Probleme hätte. Es wurde 1981 zuerst vom Journalisten Christoph Busch verwendet. "Mich hat ohnehin immer gewundert", sagt der 71-Jährige am Telefon, "dass das noch niemand als phallisch kritisiert hat."