Spektakuläre Rettungsaktion Der Spider-Man von Paris

  • In Paris ist ein 22-Jähriger zum Helden geworden, weil er ein Kind gerettet hat, das drohte, aus dem vierten Stock eines Hauses zu stürzen.
  • Der Mann hangelte sich dabei von Balkon zu Balkon, weswegen Leute ihm den Spitznamen "Spider-Man" gegeben haben.
  • Der Mann ist offenbar ein Flüchtling aus Mali; Präsident Macron versprach, sich für seine Einbürgerung einzusetzen.

Mamoudou Gassama braucht nur 30 Sekunden, um in den vierten Stock zu gelangen und das Kind zu retten. Er hangelt sich von Balkon zu Balkon, wo sich der Junge an der Außenseite eines Geländers festklammert. Dort angekommen, fasst er ihn am Arm und hebt ihn zurück auf den Balkon. Das Video der Rettung verbreitet sich anschließend in den sozialen Medien - und Paris hat einen neuen Helden.

In dem Film ist auch zu sehen, wie ein Mann auf der Straße versucht, es Gassama nachzumachen, allerdings schon am Grundstückszaun scheitert. Ein Mann auf dem angrenzenden Balkon im vierten Stock versucht ebenfalls, dem Kind zu helfen. Im Hintergrund hört man, wie Leute jubeln und applaudieren, während Gassama die Fassade hochklettert.

Den "Spider-Man aus dem XVIII." nennen sie den Retter nun in Anspielung auf den Superhelden und den 18. Pariser Stadtbezirk, indem sich die Geschichte am Samstag abspielte. Ermittlungen zufolge war der Junge allein zu Hause und anscheinend auf das Balkongeländer geklettert. Warum das Kind alleine zu Hause war, ist noch unklar. Offenbar war die Mutter verreist, gegen den Vater wird nun wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht ermittelt.

"Ich hörte viele Leute schreien. Ich bin losgerannt, um zu sehen, was ich machen kann. Ich kriegte einen Balkon zu fassen und bin dann einfach so hochgeklettert, Gott sei Dank habe ich ihn gerettet", sagte Gassama den Journalisten, die ihn 24 Stunden nach der Rettung interviewten. Er habe gehandelt, ohne nachzudenken, erzählt er weiter. Erst nachdem er das Kind gerettet hatte, habe er seine Angst gespürt und so stark gezittert, dass er sich hinsetzen musste.

Der 22-Jährige stammt eigenen Angaben zufolge aus Mali und ist erst vor wenigen Monaten in Frankreich angekommen, wo er ohne Aufenthaltsgenehmigung lebt. Bürgermeisterin Anne Hidalgo dankte dem Retter und teilte auf Twitter mit, die Stadt Paris werde ihm dabei helfen, sich in Frankreich niederzulassen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Gassama am Montag in den Élysée-Palast eingeladen, um ihn persönlich zu treffen und zu ehren. Auf Twitter teilte er mit, er habe Gassama aufgefordert, sich für die Einbürgerung zu bewerben. "Alle Papiere werden in Ordnung gebracht", versprach er. Gassama werde in die Feuerwehr aufgenommen. Zudem bekam er eine Urkunde für "Mut und Aufopferung".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trifft Mamoudou Gassama im Élysée-Palast.

(Foto: Thibault Camus/Reuters)