Spanien Angehörige verlangen Aufklärung nach U-Bahn-Katastrophe

43 Menschen starben beim U-Bahn-Unglück in Valencia 2006.

(Foto: dpa)

Das U-Bahn-Unglück in Valencia am 3. Juli 2006 war das schlimmste in der spanischen Geschichte. Die Angehörigen der 43 Toten kämpfen für neue Untersuchungen - ein jetzt veröffentlichter Dokumentarfilm hat Ungereimtheiten ans Licht gebracht.

"43 Tote, 47 Verletzte, 0 Verantwortliche" - mit diesem Slogan erinnern die Angehörigen der Opfer seit sieben Jahren an die U-Bahn-Katastrophe in Valencia vom 3. Juli 2006. Sie verlangen, dass die Ursache des schlimmsten U-Bahn-Unglücks in der spanischen Geschichte aufgeklärt wird. Bis heute ist niemand zur Verantwortung gezogen worden. Ein Prozess fand nicht statt, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss stellte seine Arbeit nach wenigen Tagen ein.

Bei vielen Spaniern war die Katastrophe - eines der schwersten U-Bahn-Unglücke in Europa - fast schon in Vergessenheit geraten, jetzt macht sie wieder Schlagzeilen. Der TV-Journalist Jordi Evole erhebt in einem Dokumentarfilm den Vorwurf, dass die Ermittlungen zu dem Unglück manipuliert worden seien. In dem Bericht des TV-Senders La Sexta wirft Evole Politikern und Behörden vor, die Schuld auf den bei dem Unglück getöteten U-Bahnfahrer abzuwälzen.

Der Zug war damals mit 80 Stundenkilometern in eine Kurve gefahren, in der nur 40 erlaubt waren. Die ersten beiden Waggons entgleisten, prallten gegen die Tunnelwand, stürzten um und rutschten auf der Seite liegend 100 Meter über die Gleise. 43 Menschen starben.

Einen politischen Skandal habe die Regionalregierung von Valencia unbedingt vermeiden wollen, da wenige Tage später der ehemalige Papst Benedikt XVI. erwartet wurde, außerdem standen in weniger als einem Jahr Wahlen an. So hätten sich die offiziellen Stellen damit zufrieden gegeben, überhöhte Geschwindigkeit als einzige Unglücksursache anzuerkennen. Doch die Bahngewerkschaft hatte den Unglücksort schon Jahre zuvor in einem Bericht als eine Gefahrenstelle identifiziert. "Die Katastrophe hätte vermieden werden können", sagte ein langjähriger U-Bahnfahrer, der die Unglücksstelle als Experte inspiziert hatte, "Die Vorrichtungen für ein automatisches Bremssystem waren vorhanden, aber nicht programmiert worden."

Verschwundene Mängelliste

Der Unglückszug soll in den Jahren vor der Katastrophe dreimal entgleist sein, außerdem habe es Probleme mit den Bremsen gegeben. Die Mängelliste des Zuges wurde aber nie gefunden. "Es ist ausgeschlossen, dass sie bei dem Unglück vernichtet wurde", sagte Alvarez. "Sie tauchte nicht auf, weil sie jemand verschwinden ließ." Der damalige Sicherheitschef der Bahngesellschaft FGV, Arturo Rocher, sagte, die U-Bahnexperten hätten vor ihren Anhörungen im Untersuchungsausschuss genaue Anweisungen zu ihren Aussagen erhalten. "Alles war bis ins Detail einstudiert und geprobt worden", sagte er. "Niemand wagte zu protestieren."

Hinterbliebenen seien vom Präsidenten des Regionalparlaments, Juan Cotino, Entschädigungen und Arbeitsplätze in Aussicht gestellt worden, sagt Evole in seinem Film. Im Gegenzug habe der Politiker den Angehörigen zu verstehen gegeben, dass sie sich nicht an die Justiz wenden sollten. Cotino lehnte eine Stellungnahme ab.

Seit mehr als sechs Jahren versammeln sich die Angehörigen der Opfer am Jahrestag des Unglücks auf der Plaza de la Virgen. Die Ausstrahlung des TV-Films hatte zur Folge, dass sich ihnen in diesem Jahr Tausende Valencianer anschlossen und die Einleitung einer neuen Untersuchung verlangten. In einer Internet-Kampagne unterstützten mehr als 90.000 Unterzeichner die Forderung. "Wir verlangen, dass aufgeklärt wird, was genau geschehen ist", sagte Beatriz Garrote, Vorsitzende der Vereinigung der Hinterbliebenen. "Es soll anerkannt werden, dass auch die U-Bahn-Gesellschaft und die Regionalregierung eine Mitverantwortung trugen."