Trotz verstärkter Militärpräsenz setzen die Seeräuber ihren Beutezug im Golf von Aden fort - und entführen ein weiteres deutsches Schiff.

Vor der Küste Somalias ist offenbar erneut ein Frachter einer deutschen Reederei entführt worden. Damit haben die somalischen Piraten nun zwei deutsche Schiffe in ihrer Gewalt. Seit dem 4. April befindet sich die MV Hansa Stavanger, ein Containerschiff der Hamburger Reederei Leonhardt und Blumberg in der Hand der Seeräuber.

Bild vergrößern

Im Visier von internationalen Militärmissionen: Piraten vor Somalia. (© Foto: AP)

Anzeige

Der Frachter unter maltesischer Flagge sei im Golf von Aden rund 300 Kilometer südöstlich der jemenitischen Küstenstadt Muqalla überfallen worden, teilte die fünfte Flotte der US-Marine mit. Wie viele Besatzungsmitglieder welcher Nationalität an Bord der Patriot waren, ist offen. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte die Angaben der US-Streitkräfte zunächst nicht bestätigen.

Laut dem Ostafrikanischen Seefahrer-Hilfsprogramms in Nairobi handelt es sich um einen Getreidefrachter mit 17 Mann Besatzung. In den vergangenen Wochen kommen fast täglich Meldungen zu Schiffsentführungen somalischer Piraten. Trotz verstärkter internationaler Militärpräsenz vor Somalia haben es die Piraten seit dem vergangenen Jahr geschafft, mehr als 100 Schiffe in ihre Gewalt zu bringen, darunter auch die MV Hansa Stavanger. Der Kapitän und vier leitende Offiziere der Hansa Stavanger stammen aus Deutschland. Sie befinden sich immer noch in der Gewalt der Seeräuber.

Der für den US-Einsatz vor Somalia zuständige General hat wegen der zunehmenden Zahl von Piratenangriffen die Bewaffnung von Handelsschiffen empfohlen. Die Schifffahrtsgesellschaften sollten überlegen, ob sie nicht bewaffnete Sicherheitskräfte einstellen sollten, sagte General David Petraeus vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Internationale Schifffahrtsverbände lehnen diese Idee jedoch ab. Die Bewaffnung von Frachtern könnte zu einer Eskalation der Gewalt führen, heißt es zur Begründung.

Deutsches Schiff hilft gestrandetem Tanker

Unterdessen haben ein Schiff der Bundesmarine sowie Schiffe der US- und der chinesischen Marine einem philippinischen Chemietanker Hilfe geleistet, dem nach der Freilassung aus der Hand von Piraten vor der somalischen Küste der Treibstoff ausgegangen war. Das deutsche Schiff versorgte die Besatzung mit Lebensmitteln und Medikamenten, teilte eine Sprecherin der philippinischen Schifffahrtsbehörde mit.

Das amerikanische Boot stellte den Angaben zufolge Dieseltreibstoff zur Verfügung. Auch zwei chinesische Schiffe seien mit Treibstoff und Lebensmitteln zur dem Tanker unterwegs, sagte die Sprecherin Maria Eelena Bautista. Der zur Verfügung gestellte Treibstoff reiche für die Weiterfahrt der MT Stolt Strength zum nordindischen Hafen Kandla aus, dem ursprünglichen Ziel des Tankers.

Somalische Piraten hatten den Chemietanker und dessen 23-köpfige Besatzung am Dienstag nach mehr als fünf Monaten freigelassen. Das Schiff war am 10. November im Golf von Aden mit einer Ladung Phosphorsäure entführt worden.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/AP/hai)