Smart Home Alexa, ein neuer Name, bitte

Smarte Lautsprecher mit Alexa sind ein Verkaufsschlager, längst gibt es die Assistentin auch in den verschiedensten Haushaltsgeräten.

(Foto: REUTERS)

Amazons Assistenzsystem lässt einen uralten Namen verschwinden. Er sollte an die große Bibliothek in Alexandria erinnern, nun aber geht es um sprechende Haushaltsgeräte. Das schreckt selbst Eltern ab.

Von Christoph Gurk

Man stelle sich folgende Situation vor: Ein ruhiger Samstagmorgen, der Kaffee dampft, und klassische Musik erklingt, da tobt die kleine Alexa ins Zimmer. "Alexa, stop!", ruft der Vater also streng, ohne Erfolg, im Gegenteil, das Kind lärmt weiter, die Musik aber verstummt, schließlich hört der Nachwuchs schlecht, Amazons Lautsprecher mit gleichnamigen Assistenzsystem dafür aber umso besser. 2014 hat das Unternehmen den Dienst "Alexa" erstmals eingeführt. Sagt man den Namen gefolgt von einem Befehl, kann die Software Musik abspielen oder stoppen, Einkaufslisten schreiben oder den Wetterbericht vorlesen.

Smarte Lautsprecher mit Alexa sind ein Verkaufsschlager, längst gibt es die Assistentin auch in den verschiedensten Haushaltsgeräten, vom Kühlschrank bis zu Heizung und Herd. Mithilfe von Alexa will Amazon die Heime seiner Nutzer in Smart-Homes umbauen und unser aller Leben revolutionieren. Auf der Strecke bleiben könnte dabei aber auf der einen Seite der Datenschutz, weil niemand so genau weiß, wie viel Alexa eigentlich wirklich mithört. Auf der anderen Seite könnte der Erfolg von Amazon aber auch dazu beitragen, dass ein Jahrtausende alter Vorname verschwindet.

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Denn Alexa ist nicht nur ein Stichwortgeber für smarte Lautsprecher, sondern auch die Kurzform von Alexandra, griechisch für "Die Beschützerin". Vorformen des Namens sind bereits aus mykenischer Zeit bezeugt. Seit der Einführung von Amazons digitaler Namensvetterin hat sich aber allein in den USA die Popularität des Namens Alexa bei Eltern halbiert, hat der amerikanische Soziologe Philipp Cohen herausgefunden. Er hat Daten aus der US-Sozialversicherung untersucht, die Aufschluss darüber geben, welche Namen in den vergangenen Jahren vergeben wurden. Bekamen 2015 noch 6050 Babys in den Vereinigten Staaten den Namen Alexa, waren es zwei Jahre später nur noch knapp halb so viele: 3883.

In Deutschland gibt es keine solchen offiziellen Statistiken zur Beliebtheit von Kindervornamen. Die Mehrzahl der Standesämter meldet aber Daten aus ihren Registern an die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. Sie erstellt jedes Jahr eine Liste mit den beliebtesten Vornamen in Deutschland, 2015 lag Alexa dort auf Platz 225, zwei Jahre später steht der Name nur noch auf Position 287. Amazons größter Konkurrent auf dem Markt ist Apples Assistenzsystem "Siri". Als Kurzform von Sigrid ist auch er als Vorname verbreitet, allerdings bei Weitem nicht so häufig: 2009 gaben 120 Eltern ihren Kindern in den USA den Namen, zwei Jahre später führte Apple sein gleichnamiges Assistenzsystem ein, seitdem ist auch Siri unbeliebter, nur 20 Kinder wurden letztes Jahr in den USA unter diesem Namen registriert.

Dass Amazon für seine digitale Assistentin ausgerechnet den Namen Alexa ausgesucht hat, liegt zum einen daran, dass der Name Assoziationen mit der legendären Bibliothek von Alexandria wecken soll, in der in der Antike das Wissen der damaligen Welt versammelt war. Vor allem aber hat sein Klang auch noch Vorteile für die künstliche Intelligenz: Dank des "x" in der Mitte hebt er sich von anderen Wörter ab und ist für den Computer leicht zu erkennen. Viele Hundert Befehle kann Alexa heute schon erkennen, Rechenaufgaben lösen genauso wie aktuelle Spielstände durchgeben, und selbst auf Popkulturzitate weiß die Assistentin eine Antwort. Nimmt man zum Beispiel das berühmte Zitat aus den "Star Wars"-Filmen und sagt "Alexa, ich bin dein Vater", erwidert das Assistenzsystem: "Nein, das ist nicht wahr." Das wiederum, könnte man sich vorstellen, dürfte bei Eltern von echten Alexas zu allerlei Diskussionen führen.

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