Skurriler Gerichtstermin Drei Orgasmen pro Kondom sind verboten

Darf das auf der Packung stehen? "1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen."

(Foto: dpa)
  • Im Streit um Angaben auf einer Kondompackung droht dem Berliner Hersteller Einhorn eine weitere Niederlage.
  • Die Angabe "entspricht bis zu 21 Orgasmen" auf einer Verpackung mit sieben Kondomen ist nach Ansicht des Düsseldorfer Landgerichts zur Täuschung geeignet - und kann zum Mehrfachgebrauch verleiten.
Von Barbara Vorsamer

"Oooouuuui, aaaao, uiuiui - ein geiler Deal!", schreit einem die eine Seite mit quietschbunten Comics entgegen. "Für schnörkellose Liebe ohne Kompromisse", heißt es auf der anderen schlicht. Der Kontrast ist groß zwischen den Kondomherstellern Einhorn und Fair Squared, die sich beide auf faire und nachhaltige Kondome spezialisiert haben.

Am Dienstag trafen sich beide vor Gericht, um die Frage zu klären: Wie viele Orgasmen passen in ein Kondom? Die Verhandlung drehte sich um folgenden Satz, der bis vor kurzem auf Kondomen der Firma Einhorn stand: "1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen." Irreführend, findet die Konkurrenz und erwirkte im Sommer eine einstweilige Verfügung - gegen die Einhorn Widerspruch einlegte, weswegen nun die mündliche Verhandlung folgte.

Spuren von Feenstaub

Einhorn-Gründer Philip Siefer begründet den umstrittenen Slogan so: "Ein Kondom benutzt man in aller Regel nicht alleine und alle Beteiligten sollten zum Orgasmus kommen. Und klar, der Mann sollte mit einem Kondom nur einmal kommen - aber wieso sollte die Frau nicht auch noch kommen? Vielleicht sogar zweimal?" So seien sie auf die Anzahl 21 (für sieben Kondome) gekommen.

Zudem stehe der umstrittene Satz eindeutig in einem humoristischen Umfeld. Die "Mehrwerttabelle" eines Einhorn-Kondoms verrät neben der möglichen Orgasmuszahl auch, wie viele Kalorien beim Sex verbraucht werden und dass das Produkt angeblich Spuren von Feenstaub enthalten kann. Noch so ein Scherz.

Irreführend und gefährlich

"Wir sind nicht so lustig wie die Einhörner", sagt Oliver Gothe von Fair Squared. "Kondome sind ein Medizinprodukt. Aussagen darüber sollten eindeutig sein, nicht witzig." Den umstrittenen Satz findet er nicht nur irreführend, sondern im Zusammenhang mit Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften sogar gefährlich.

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Die Richterinnen folgten der Argumentation Gothes. Der Aufdruck sei "zur Täuschung geeignet" und könne zum Mehrfachgebrauch verleiten. "Deswegen haben wir das verboten", sagte die Vorsitzende Richterin Johanna Brückner-Hofmann.

Die beiden Firmen sind sich schon länger in herzlicher Abneigung verbunden. "Das sind wettbewerbsrechtliche Zankereien, denen geht es doch nicht um die Volksgesundheit", sagt Philip Siefer von Einhorn über Fair Square. "Natürlich sind wir Konkurrenten und ohne Zweifel können wir uns nicht leiden", sagt Oliver Gothe dazu. Er wirft Einhorn vor, es generell mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. So sind sich die Produzenten zum Beispiel bei der Definition von "fair" und "nachhaltig" uneinig, ebenso darüber, ob ein Kondom überhaupt vegan sein kann.

Zudem ging das Start-up Einhorn vor einigen Monaten auf Investorensuche, mit der Behauptung, das erste fair und nachhaltig produzierte Kondom für den deutschen Markt herzustellen. Da gab es Fair Squared aber schon ein paar Jahre. "Das wussten die auch", sagt Gothe. Er zog gegen die Behauptung vor Gericht und gewann.

Von den rechtlichen Niederlagen lassen sich Siefer und sein Partner Waldemar Zeiler aber nicht unterkriegen. Sie reagierten auf die einstweilige Verfügung mit einer erfolgreichen Spaßkampagne gegen "Orgasmuslimitierung" und demonstrierten unter dem Motto "Kommt alle" vor dem Brandenburger Tor. Die Frage, ob Verhütung nun eine ernste oder eine lustige Sache ist - Oliver Gothe und Philip Siefer würden sie unterschiedlich beantworten.

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