Skandal um Tebartz-van Elst Ein Bischof im Off

Tebartz-van Elst bleibt zwar im Amt, er darf es aber vorläufig nicht mehr ausüben. Die Entscheidung des Papstes ist wie ein Vexierbild: Jeder kann darin das Seine erkennen. Wenn aber in Abwesenheit des Limburger Bischofs der Frieden in der Diözese wieder einkehrt, ist kaum vorstellbar, dass Tebartz-van Elst wieder in seinen Prachtbau zurückkehrt.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

Der Bischof ist nicht gerichtet, er ist aber auch nicht gerettet. Franz-Peter Tebartz-van Elst ist immer noch Bischof von Limburg und zugleich ist er es nicht mehr. Er bleibt zwar im Amt - er darf es aber nicht ausüben. Er ist ein Bischof im Off. Der Papst sagt nicht, wie lang dieser Zustand andauern soll; die päpstliche Verlautbarung erklärt es auch nicht. Der Papst "gewährt" dem Bischof eine Zeit "außerhalb der Diözese"; es sollen die Untersuchungen des Falls abgewartet werden.

Das ist der Versuch einer salomonischen Entscheidung. Sie bricht den Stab nicht öffentlich über dem Bischof; sie ist insoweit auch eine barmherzige Entscheidung. Sie mutet der Diözese Limburg aber auch nicht die Rückkehr eines Bischofs zu, der Unfrieden, Streit und Hass gesät hat. Dieser Bischof war kein Hirte. Und er wird es wohl auch nicht in der ihm verordneten Auszeit.

Für die Diözese ist die vorläufige Entscheidung des Papstes eine vorläufige Erlösung. Für den Bischof Tebartz-van Elst ist die Entscheidung wohl eine Art Fegefeuer. Das Fegefeuer ist nach katholischer Lehre ein Reinigungsort, ein Ort der Läuterung. Nach dem quälenden Aufenthalt dort ist man rein genug für den Himmel. Dass nun Tebartz-van Elst nach dem Fegefeuer wieder in seinen Himmel, in seinen Prachtbau auf dem Limburger Domberg, zurück darf, ist kaum vorstellbar.

Aber: Die vorläufige Entscheidung brüskiert ihn nicht. Sie lässt Raum für ein Verfahren, in dem die Vorwürfe gegen den Bischof intensiv geprüft werden. Die päpstliche Entscheidung gibt dem Bischof und seinen Unwahrhaftigkeiten und Uneinsichtigkeiten nicht recht. Sie folgt aber auch nicht den Kritikern, die eine schnelle endgültige Entscheidung gegen den Bischof gefordert haben.

Die Entscheidung ist wie ein Vexierbild. Jeder kann sich darin das Seine suchen. Wenn in Tebartz-van Elsts Abwesenheit der Frieden in der Diözese wieder einkehrt, ist aber kaum vorstellbar, dass dieser Frieden später wieder aufs Spiel gesetzt werden soll. Insofern ist die vorläufige päpstliche Entscheidung eine vorläufig endgültige. Und für Bischof Tebartz-van Elst gilt der Satz: Geh hin in Frieden.