Silvesternacht Mehr als einhundert Anzeigen wegen Übergriffen in Köln

Der Dom und der Hauptbahnhof in Köln aus der Luft

(Foto: dpa)

Immer mehr Opfer melden sich bei der Polizei. Täter haben die Beamten noch nicht ermittelt.

Die Zahl der Opfer der Kölner Silvesternacht, die sich bei der Polizei melden, steigt weiter: Mittlerweile seien mehr als einhundert Anzeigen eingegangen, sagte eine Polizeisprecherin. Davon hätten drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. Nach den Vernehmungen der Opfer habe sich ein klareres Bild der Taten ergeben. "Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden", sagte die Sprecherin.

Täter habe die Polizei noch keine ermittelt. Die Beweisführung gestalte sich als "sehr schwierig", was vor allem an der "Gemengelage" in der Silvesternacht liege, so die Sprecherin.

Nach Polizeiangaben hatten sich am Silvesterabend etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt und mit Feuerwerkskörpern um sich geworfen. Als die Polizei einschritt, bildeten sich viele kleinere Gruppen. Danach sollen Frauen im Getümmel umzingelt, sexuell bedrängt und ausgeraubt worden sein. Zwei Drittel der Opfer seien nicht aus Köln und zum Feiern in die Domstadt gereist.

"Pauschal über die Polizei in Köln herzufallen, ist unanständig"

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geäußerte Kritik an der örtlichen Polizei scharf zurückgewiesen. "Ich glaube nicht, dass es ein guter Stil ist, wenn der Bundesinnenminister in aller Öffentlichkeit die Landespolizei und die Einsatzleitung dort kritisiert. In dieser Weise pauschal über die Polizei in Köln herzufallen, das ist unanständig. Das gehört sich einfach nicht", sagte DPolG-Chef Rainer Wendt.

Wendt machte stattdessen de Maizière für die Situation mitverantwortlich. "De Maizière muss die Frage beantworten, wo eigentlich die vielen Bundespolizisten waren, die am Kölner Hauptbahnhof eigentlich auf dem Dienstplan stehen", sagte er dem Sender am Mittwoch. Diese würden schon seit Monaten "zweckentfremdet" in Bayern für die Grenzsicherung eingesetzt.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) dringt darauf, Hinweisen nachzugehen, dass die Übergriffe der Silvesternacht vorab verabredet gewesen sein könnten. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein," sagte Maas im ZDF-Morgenmagazin. "Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren." So etwas passiere nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.