Millionen Menschen haben weltweit trotz Terrorwarnungen mit Jubel und Feuerwerk 2004 begrüßt. Auf der größten Party Deutschlands feierten Hunderttaussende rund um das Brandenburger Tor in Berlin.

Weltweit verliefen die meisten Feiern friedlich. Doch bei Unfällen mit Feuerwerkskörpern sowie Anschlägen kamen dutzende Menschen ums Leben. Ohne größere Zwischenfälle verlief die Silvesterparty am New Yorker Times Square, wo 750.000 Menschen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ohne Böller und Alkohol feierten.

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In Deutschland schossen die Menschen trotz Konjunkturflaute nach Schätzungen der pyrotechnischen Industrie Knaller und Raketen für rund 100 Millionen Euro in die Luft, ebenso viele wie vor einem Jahr.

Die Party in Berlin hatte sogar 250.000 Menschen mehr angezogen als die in New York. Bands wie die Puhdys und Hochseilartisten sorgten für prächtige Stimmung und einen Weltrekord: In 40 Metern Höhe rotierten zwei Männer auf einem Motorrad 15 Mal um die eigene Achse. Trotz der enormen Menschenmassen verlief die Feier laut Polizei "friedlich und gut gelaunt".

Bei einem Brand im Dachstuhl des ZDF-Hauptstadtgebäudes wurden Anlagen der Haustechnik beschädigt und einige Büros durch Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. "Der Sendebetrieb ist in keiner Weise beeinträchtigt", sagte der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey. Ursache war vermutlich eine Rakete.

In Leipzig wurden bei Krawallen hunderter Randalierer zwölf Polizisten verletzt. Die Einsatzkräfte nahmen 16 Menschen vorübergehend fest. Eine Polizistin musste in einer Klinik behandelt werden. In Düsseldorf war auf den Polizeiwachen bereits kurz nach Mitternacht keine Ausnüchterungszelle mehr frei. Eine Jugendbande verwüstete eine Tankstelle und Bushaltestellen.

In Wadersloh (Nordrhein-Westfalen) machte ein 60-Jähriger nach der Explosion eines Silvesterkrachers an seinem Fenster Jagd auf zwei 10 und 13 Jahre alte Jungen. Er verfolgte die mutmaßlichen Böller- Werfer mit seinem Wagen und fuhr dabei ein Kind an. Danach hielt er einem Jungen eine Luftdruckwaffe an die Schläfe, um ein Geständnis zu erpressen. Die verängstigten Kinder alarmierten ihre Eltern. Im niederbayerischen Dingolfing erstach ein 20-jähriger Mann am Rande einer Silvesterparty einen 19-Jährigen vor einer Diskothek. Im bayerischen Hof lieferten sich 150 Menschen eine Massenschlägerei.

In vielen anderen Landesteilen verlief die Nacht weitgehend friedlich. In Hessen gab es zwar mehrere 100 Einsätze von Polizei und Feuerwehren, ungewöhnlich große Unglücke wurden aber nicht gemeldet. Auch die Norddeutschen ließen es weitgehend friedlich krachen.

Vorreiter Australien

Den weltweiten Anfang der großen Silvesterfeiern hatten die Australier gemacht: In Sydney versammelten sich fast eine Million Menschen am Hafen, wo Feuerwerk, Schiffsparaden und Lichtshows den Jahreswechsel prachtvoll begleiteten. Bei der größten Party in den USA feierten unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen rund 750.000 Menschen auf dem Times Square in New York. Dort waren die vielen Stoffhüte mit der Aufschrift "Happy New Year" in leuchtendem Orange unübersehbar - der Farbe der schon seit Tagen geltenden zweithöchsten Terrorwarnstufe "Code Orange". Der Platz war strengstens abgeriegelt worden, Scharfschützen bezogen in umliegenden Hochhäusern Stellung.

Im Irak gab es auch an Silvester wieder ein tödliches Bombenattentat: Bei einem Anschlag auf ein Bagdader Restaurant starben fünf Menschen. In der indonesischen Bürgerkriegsprovinz Aceh kamen neun Menschen um, als eine Bombe während einer Silvesterparty explodierte.

Auf den Philippinen starben mindestens 28 Menschen durch Silvesterknaller. In Dänemark und in den Niederlanden wurden jeweils zwei Menschen durch nicht zugelassene Raketen getötet. Bei einem erneuten Explosionsunglück in einer Feuerwerksfabrik in China kamen mindestens neun Menschen ums Leben. In Lehre (Niedersachsen) starb ein 48-Jähriger beim Zünden eines genehmigungspflichtigen Silvesterböllers. Die Feuerwerksbatterie mit mehreren Knallkörpern ist nicht frei verkäuflich.

Fast 500.000 Menschen feierten in Paris auf den Champs-Élysées friedlich und ausgelassen. In den sozialen Randgebieten der französischen Großstädte wurden aber rund 300 Fahrzeuge in Brand gesetzt. Die Spanier verschlangen zum Jahreswechsel innerhalb von zwölf Sekunden 1600 Tonnen Weintrauben. Dort ist es in der Silvesternacht üblich, um Mitternacht mit jedem Glockenschlag je eine Traube zu essen.

In London versammelten sich etwa 100.000 Menschen um Mitternacht am prächtig beleuchteten Riesenrad am Südufer der Themse. Offizielle Partys auf zentralen Plätzen waren jedoch aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Die Olympiastadt Athen feierte Silvester mit einem Riesenfeuerwerk rund um die Akropolis. Die Feier stand ganz im Zeichen der Sommerspiele vom 13. bis zum 29. August. An der niederländischen Nordseeküste nahmen bei Schneetreiben mehrere tausend Unentwegte am Neujahrstag ein Bad im Meer. Am Neujahrsmorgen begann in Berlin das große Aufräumen: Allein auf der Festmeile am Brandenburger Tor waren über 100 Tonnen Müll liegen geblieben.

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(sueddeutsche.de/dpa)