Sexuelle Gewalt Indischer Minister findet Vergewaltigung "manchmal richtig"

Im Schnitt wird in Indien alle 21 Minuten eine Frau vergewaltigt. Ein indischer Regionalminister hat sexuelle Gewalt nun drastisch verharmlost.

Ein Regionalminister der indischen Regierungspartei hat die grassierende sexuelle Gewalt gegen Frauen in seinem Land drastisch verharmlost und sogar ansatzweise verteidigt. Vergewaltigung sei "ein soziales Verbrechen, das von Männern und Frauen abhängt", sagte der Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Babulal Gaur, am Donnerstag vor Journalisten. "Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch." Jedenfalls könne ermittlungstechnisch "nichts getan werden, solange es keine Anzeige gibt".

Gaur gehört der Bharatiya-Janata-Partei (BJP) des indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi an. In Indien war die gesellschaftliche Entrüstung über sexuelle Gewalt gegen Frauen zuletzt deutlich gewachsen, nachdem mehrere brutale Fälle bekannt geworden waren. Während Modi die Einlassungen seines ausgerechnet für Recht und Ordnung zuständigen Parteifreunds zunächst nicht kommentierte, distanzierte sich die BJP von Gaur. Dessen Ansichten repräsentierten nicht die der Partei, hieß es.

Die Diskriminierung von Frauen in der indischen Gesellschaft und gegen sie gerichtete, oftmals sexuell motivierte Gewaltverbrechen sorgen im In- und Ausland immer wieder für Schlagzeilen. Erst vor Kurzem berichteten Agenturen über den Fall einer jungen Frau, die mehrfach sexuell belästigt wurde und anschließend von ihren Peinigern ermordet wurde. Nach Angaben der Polizei drangen vier Männer in die Wohnung der vierfachen Mutter in einem Dorf des Bundesstaats Meghalaya ein, sperrten ihren Ehemann und die Kinder in ein Zimmer und versuchten dann, die 35-Jährige zu vergewaltigen. Als sich die Frau den bewaffneten Mitgliedern einer verbotenen Miliz widersetzte, hätten diese ihr Opfer erschossen.

Sexualverbrechen werden nicht ernsthaft geahndet

Vergangene Woche waren die Leichen zweier zwölf und 14 Jahre alter Cousinen in einem Dorf des Bundesstaats Uttar Pradesh gefunden worden. Sie waren mehrfach vergewaltigt und dann an einem Baum aufgehängt worden waren. Im Dezember 2012 löste die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Studentin in Neu Delhi Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen aus. Die Brutalität der Männer hatte die Öffentlichkeit in Indien schockiert.

Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung zwar verschärft - so steht etwa auf Vergewaltigung mit Todesfolge die Todesstrafe. Frauenrechtsaktivisten zufolge werden Sexualverbrechen jedoch in vielen Fällen bis heute nicht ernsthaft geahndet. Nach Angaben der Regierung wird in Indien alle 21 Minuten eine Frau vergewaltigt. Aktivisten gehen aber von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da die Opfer sexueller Gewalt häufig sozial geächtet werden.