Sexualverbrechen an Kindern Europol hebt Kinderpornoring aus

Bei einem europaweiten Schlag gegen Kinderpornographie im Internet sind in 22 Ländern 112 Verdächtige festgenommen worden. Der Einsatz richtete sich gegen Konsumenten und Anbieter "der extremsten Form von Videomaterial". Zeitgleich wird ein Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in den Niederlanden bekannt.

Europäische Polizeibehörden haben einen internationalen Kinderpornoring ausgehoben. In 22 Ländern wurden bei der "Operation Icarus" seit Jahresbeginn bereits 269 Verdächtige beobachtet und nun 112 festgenommen, wie Europol in Den Haag in einer Presseinformation mitteilte.

Das Netzwerk arbeitet demnach über das Internet und tauscht Videomaterial zu sexuellem Missbrauch in extremer Form aus. Es gehe dabei auch um Vergewaltigung von Babys und Kleinkindern, heißt es in der Mitteilung.

Ermittler müssen Tausende Stunden Videomaterial sichten

Nach Angaben von Europol brachte die "Operation Icarus" bisher unbekannte Netzwerke zutage und ist noch nicht abgeschlossen. Sie ziele darauf ab, die Produzenten ausfindig zu machen und weitere Verdächtige sowie die Opfer zu identifizieren. Weitere Festnahmen seien zu erwarten.

Bei einem dänischen Verdächtigen stellten die Ermittler 29 Terabyte Datenmaterial sicher, bei einem Schweizer wurden 120 Terabyte Material gefunden. In den kommenden Monaten sollen Tausende Stunden Material gesichtet, teilweise forensisch untersucht und ausgewertet werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass in katholischen Institutionen in den Niederlanden systematisch Kinder missbraucht worden sind. Die Untersuchungskommission hat Zehntausende Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aus den vergangen sechs Jahrzehnten ans Licht gebracht. "Mehrere zehntausend Minderjährige" seien zwischen 1945 und 2010 in katholischen Einrichtungen missbraucht worden, teilte die Kommission mit.

Sie warf der Kirche vor, lange Zeit die Augen vor der Gewalt verschlossen zu haben. Die Kinder seien "leichtem, schwerem und sehr schwerem" Missbrauch ausgesetzt gewesen, hieß es im Abschlussbericht der Kommission, die gut ein Jahr lang Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche in den Niederlanden nachging.

Auf Grundlage von Personenbeschreibungen seien 800 Täter identifiziert worden. Von ihnen seien mindestens 105 noch am Leben. Einige stünden weiterhin im Dienst der Kirche, erklärte die Kommission. "Die Problematik des sexuellen Missbrauchs war innerhalb der Orden und Bistümer der niederländischen katholischen Kirche bekannt, aber es wurden keine adäquaten Schritte unternommen", kritisierte die Kommission.

Das jahrelange Schweigen der Geistlichen sei aber mit dem bis in die 1960er Jahre währenden Tabu der Sexualität in der Öffentlichkeit sowie einer Kultur der "Verschlossenheit" innerhalb der katholischen Kirche zu begründen. Das Zölibat von Priestern stuften die Kommissionsmitglieder nicht als "entscheidenden" Faktor für einen Missbrauch ein. Es stelle jedoch "ein Risiko" dar.

Die katholische Kirche ist in den vergangenen Jahren weltweit durch zahlreiche Missbrauchsskandale erschüttert worden, auch in Deutschland. In den Niederlanden hatten die dortige Bischofskonferenz sowie die Konferenz der religiösen Einrichtungen des Landes im März 2010 eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe versprochen. Die Leitung übernahm der frühere Minister Wim Deetman, der einst auch als Richter tätig war und zugleich Psychologe ist.