Sex-Boykott in Kenia Erst befrieden, dann befriedigen

Vorbild Lysistrata: Kenias Frauen rufen ihre Geschlechtsgenossinnen zu einem einwöchigen Sex-Boykott auf - um streitsüchtige Politiker zu versöhnen.

Liebesentzug als Heilmittel gegen Krieg: Kenias Frauen proben eine Neuauflage von Lysistrata, der Satire des Dichters Aristophanes aus dem Jahr 411 vor Christus. Mehrere kenianische Frauengruppen haben nun zu einem einwöchigen Boykott im Bett aufgerufen.

Ohne Friede kein Sex: Kenias Frauen wollen Präsident Mwai Kibaki (rechts) und Premier Raila Odinga mit Boykott im Bett zum Reden zwingen.

(Foto: Foto: AFP)

Die Zeitung Daily Nation berichtete, der Sex-Streik sollte die Männer dazu bringen, Druck auf die Politiker des ostafrikanischen Landes auszuüben. Ziel sei es, eine Wiederholung der blutigen Unruhen nach den Wahlen im Jahr 2007 zu verhindern - und die führenden Politiker zu einer Versöhnungspolitik zwischen ihren verfeindeten Stämmen zu bringen. Denn, so die Überzeugung der kenianischen Frauen, das Druckmittel der Lysistrata hat auch in mehr als 2000 Jahren nicht an Wirkung verloren.

Und dieses Mittel lässt sogar das Schlagwort der Hippiegeneration der sechziger Jahre, "Make love - not war", blass erscheinen: Die Athenerin fordert in der Kömodie des Aristophanes ihre Geschlechtsgenossinnen auf, sich ihren Männern so lange sexuell zu verweigern, bis diese die Waffen ruhen lassen.

In Kenia soll der Boykott vorerst eine Woche dauern. "Wir haben uns alle Maßnahmen angeschaut, die die Menschen zum Reden bringen. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Sex die Antwort ist", sagte Rukia Subow, die Vorsitzende der Frauenentwicklungsorganisation, zur Begründung der Maßnahme. "Sex kennt keinen Volksstamm, es hat keine politische Partei und es erreicht selbst die untersten Schichten."

Auch Prostituierte sollen sich beteiligen

Das Frauenbündnis appellierte deshalb auch an Lucy Kibaki und Ida Odinga, die Ehefrauen von Präsident Mwai Kibaki und Premierminister Raila Odinga, sich der Aktion anzuschließen. "Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen", sagte Patricia Nyaundi, die Vorsitzende des Verbands der Rechtsanwältinnen.

Die beiden ersten Frauen Kenias sollten die Kampagne anführen, sagte Nyaundi dem Fernsehsender BBC, denn: "Große Entscheidungen werden im Bett getroffen, also bitten wir die beiden Damen, dass sie in diesen intimen Momenten ihre Männer fragen: 'Schatz, gibt es etwas, was du für Kenia tun kannst?'", zitiert der Fernsehsender Nyaundi.

Auch Prositutierte sollen sich an der Aktion beteiligen. Ihnen soll während des Streiks eine Entschädigung gezahlt werden, sagte Subow. Die Kampagne wird noch von zahlreichen anderen kenianischen Frauenorganisationen unterstützt.

Seit Wochen kriselt es in der Koalition, die vor gut einem Jahr eingegangen wurde. Ende Februar 2008 hatten Regierung und Opposition unter Vermittlung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan einen Friedenspakt geschlossen, um die blutige Krise nach den umstrittenen Wahlen zu beenden. In der großen Koalition behielt Präsident Kibaki seinen Posten, Oppositionsführer Raila Odinga übernahm das Amt eines neu geschaffenen Premierministers, dazu gibt es zwei Vize-Premiers - Uhuru Kenyatta aus Kibakis PNU und Musalia Mudavadi von Odingas "Orange Democratic Movement" (ODM).

Doch Odinga sieht sich und seine Orangene Demokratiebewegung an den Rand gedrängt und fordert mehr Einfluss. Am vergangenen Wochenende drohte Odinga bereits mit einem Bruch der Koalition, um Neuwahlen zu erzwingen.

Viele Kenianer fürchten nun eine neue Welle der Gewalt in Kenia. Bei den Ausschreitungen Anfang des vergangenen Jahres nach den Präsidentenwahlen waren mehr als tausend Menschen getötet und rund 300.000 vertrieben wurden.